Bureau

B.4

Beppo’s Gebärde

Des Imperators Weisung folgend, hatte er Schells Bureau also geöffnet, dabei sich seines Herzschlages bewusst, und gelesen, was da geschrieben stand unter dem Titel Dem Machtwort auf der Spur.
Leere danach; nur Leere.
Kann man sagen, dass einen Leere erfüllt? So nämlich fühlte es sich an.
Es war am frühen Abend gewesen. Er hatte den Rechner ausgeschaltet, das Licht gelöscht, und war durch den verschneiten Hof zum Hauptgebäude hinüber gegangen. In der großen Küche saßen einige der Mitbewohner beim Essen und führten, wie üblich in beträchtlicher Lautstärke, irgendeine Debatte. Er sah sich da hereinkommen; sah sich denen, die ihn bemerkten, zunicken; sah sich am Herd etwas auf einen Teller füllen und sich dazusetzen.
Und alles spielte sich in besagter Leere ab.
Er sah sich da sitzen und essen; sah sich dann auf einem der Sofas in der Fernseh-Ecke ein Bier trinken; und hörte aus seinem Mund, als man ihn ansprach, ein paar freundliche Redewendungen.
Er hatte keine Gedanken, dafür eine noch nie so klare Wahrnehmung der einzelnen Details, aus denen sich die Welt um ihn herum zusammensetzte. Und die ganze Zeit war er sich der Leere bewusst.
An dem Morgen darauf, als er sich mit einem Becher Kaffee an den Tisch setzte und den Rechner startete, hatte er das Gefühl, etwas habe sich grundlegend verändert.
Er klickte Schells Bureau an und es hiess: Vorübergehend nicht verfügbar.
So so, hatte er nur gedacht und sich kaffeeschlürfend der Leere überlassen.
Das Maßlose dieser Leere erfüllte ihn mit Bewunderung, und er verstand: Das war, was der Imperator mit Stille gemeint hatte.
Und sie war geblieben, diese Stille; während der Stunden, die er mit dem Taxi herumgekurvt war, danach beim Jogging, und den ganzen Abend über.
Auch am nächsten Tag blieb Schells Bureau „vorübergehend nicht verfügbar“.
Beim Abendessen sagte Manne zu ihm: „Schells Bureau lässt sich zur Zeit nicht öffnen.“
Schell nickte. „Ich weiss. Vor zwei Tagen bin ich da rein und hab was gelesen. Dem Machtwort auf der Spur. Seitdem ist das Ding gesperrt.“
Manne sah Schell eine Weile versonnen an. „Dieses Machtwort-Kapitel habe ich auch gelesen. Und ich ahne es schon: auch das war nicht von dir.“
„Du sagst es.“
Worauf ihn Manne wieder eine Weile schweigend anschaute. „Es ist also immernoch so? Da erscheinen Texte in diesem Blog, die nur du geschrieben haben kannst – die du aber nicht geschrieben hast?“
„Exakt.“
„Was dir völlig real erscheint, doch nicht real sein kann, und dich deshalb an den Rand des Wahnsinns treibt.“
„Ja, habe ich dem Machtwort-Kapitel auch so entnommen: dass ich wohl kurz vorm Durchknallen war.“
„Höre ich da etwa Ironie heraus?“
„Tja, Manne, was höre ich heraus, wenn du mich Herr des Flyshwerks oder Allwissender Kreator nennst?“
Sie schauten sich über ihre Teller mit Spaghetti hinweg forschend in die Augen.
„Okay, Schell. Ironie beiseite. Für mich bist du jedenfalls der Autor. Nachdem ich das Machtwort-Kapitel gelesen habe, ist mir das nur umso klarer. Es passt hundertprozentig zu deiner desolaten Verfassung in letzter Zeit. Es stellt doch ziemlich übersichtlich den ganzen mentalen Tumult dar, mit dem du dich herumschlägst. Was du Uschi und mir davon erzählt hast – vor allem das mit dem dauernden Herzrasen –, hat uns einigermaßen bedenklich gestimmt.“
„Denke ich mir. Tut mir leid. Wahrscheinlich musstet ihr euch fragen, ob ich für den Taxi-Job überhaupt noch tauge.“
„Wir kamen zu dem Schluss, dass die tägliche Routine dich stabilisiert.“
„Das tut sie. Das Alltägliche hilft am allerbesten. Diese Abende in der Küche unter Menschen. Aber auch, dass ich mit euch darüber reden konnte, über das Unerklärliche, diesen ganzen Tumult, hat mir geholfen, nicht durchzuknallen.“ Er hielt inne. „Glaube ich jedenfalls, dass ich nicht durchgeknallt bin.“
„Glaube ich auch. Und ich staune. Du wirkst inzwischen cool.“
Worauf Schell für eine Weile schwieg. Unmöglich zu reden von der maßlosen Leere, die ihn ergriffen hatte.
„Wie ich es sehe,“ fuhr Manne fort, „bist du mit deinem Tumult deshalb klargekommen, weil du ihn in Worte gefasst hast. Das Machtwort-Kapitel war deine Selbsttherapie.“
„Ach, weisst du, ist man nur lange genug kurz vorm Durchknallen, gewöhnt man sich daran. Jedenfalls hat die Sache inzwischen keinen Einfluss mehr auf meine Pulsfrequenz.“
„Man könnte auch sagen, du hast es als das durchschaut, was es ist – ein Spiel.“
„Ein Spiel?“
„Das du mit dir selber spielst.“
Stimmte das? Hatte er das vergessen? Und war das nicht eigentlich – egal? Schell guckte fragend.
„Du hast etwas in Gang gesetzt“, sagte Manne, „und das ist, was läuft.“
Lange Pause daraufhin.
Schell starrte Beppo an, der gerade den Tisch abzuräumen begann.
„Sehe ich richtig? Beppo? Mitten in diesem Getümmel?“
Sein Autismus hatte es Beppo bisher nicht erlaubt, sich derartig normal zu verhalten.
„Ausser mir scheint sich niemand darüber zu wundern …“
„Weil es schon nichts neues mehr ist“, sagte Manne. „Du hast wohl in letzter Zeit auch manch anderes nicht mitgekriegt …“
„Erklär mir erstmal das mit Beppo.“
„Eurythmie. Seit ‘nem Jahr etwa bringt Uschi ihn jede Woche zu einer Heileurythmistin. Keine Ahnung, was die mit ihm macht, jedenfalls scheint es irgendwie seinem Autismus entgegenzuwirken. Zwar sagt er noch immer nicht viel, beziehungsweise nichts, aber inzwischen isst er hier abends mit uns.“
„Das ist – fantastisch!“
„Sensationell, allerdings. Doch Uschi findet das völlig normal.“
„Ist es gar nicht, meinst du? Ein Wunder sozusagen, dass das dem Beppo hilft?“
„Na ja, weit ab von dem zumindest, was die offizielle Medizin für Autisten parat hat. Ich meine, wer hat schon von Eurythmie gehört? Uschi hat mir erklärt, was das ist, und auch, wie es als Therapie funktioniert. Nur habe ich’s nicht ganz kapiert, muss ich zugeben, und zwar wie Uschi meint: weil ich schon mein Leben lang so ein Kung-Fu-Freak bin.“
Da lachte Schell. „Hey, apropos – wir haben uns schon lange nicht mehr geprügelt.“
Manne, zurückgelehnt, legte sich beide Hände auf den Bauch: „Jederzeit, junger Freund. Nur bitte jetzt nicht.“
Manne war Anfang zwanzig gewesen, als Schell, noch Schüler zu jener Zeit, ihn kennenlernte. Wie schon vor über zwanzig Jahren so ein gewisses Grinsen in seinen Augen typisch für ihn gewesen war, eine unergründliche Mischung aus listiger Durchtriebenheit und treuherziger Unschuld, so reizte wie damals schon seine merkwürdige, an die Popkultur der 1960er erinnernde Haarpracht, die ihm topfartig auf dem Kopf saß, auch heute noch zum Lachen.
Seine gedrungene Statur hatte mit den Jahren eine gewisse Behäbigkeit angenommen, die erstaunlicherweise aber seine geschmeidige Art sich zu bewegen durchaus nicht minderte; was wohl daher kam, dass er jeden Tag Kung Fu trainierte.
„Sag mal, Manne, wie hast du damals Schells Bureau überhaupt gefunden?“
„Um mich auf dem Laufenden zu halten, lasse ich mir von den Kindern hin und wieder zeigen, was sie gerade spielen. So habe ich von Matoxa gehört, vom Service of Intelligence, von Flysh und so weiter. Das sind spezielle Reality-Spiele, die miteinander zusammenhängen, und zwar indem sie alle eine Verbindung zu Schells Bureau haben. Was mir allerdings nicht aufgefallen wäre, da dieser Zusammenhang den Kindern anscheinend gar nicht bewusst ist. Sciffi hat mich darauf aufmerksam gemacht.“
„Der Reggae-Typ?“
Manne nickte. „Was für die Kids nur Spiele sind, ist für gewisse Leute was ganz anderes. Meint Sciffi.“
„Und das erzählst du mir erst jetzt?“
„Weil du gefragt hast. Weil ich mehr darüber auch noch nicht weiss. Weil Sciffi immer so auf ‘ner Meta-Ebene unterwegs ist. Versuch den mal auszuquetschen …“
Diesen Sciffi, auch wenn der hier des öfteren zu Gast war, kannte Schell nur flüchtig. Ein hagerer junger Rastafarianer mit langen Dreadlocks und dem Gesicht eines indischen Asketen. Ausser dass er einer Reggae-Band angehörte, wusste Schell lediglich, dass Manne gern mit ihm über Science Fiction fachsimpelte und dass seine Besuche meistens auch etwas mit Cannabis-Lieferungen zu tun hatten.
Reality-Spiele, die über Schells Bureau irgendwie miteinander verbunden waren?
Schell staunte vor sich hin. „Ich bin sowas von ahnungslos … Ob du’s mir glaubst oder nicht, Manne, ich weiss nicht einmal, was überhaupt Reality-Spiele sind.“
„Glaub ich dir. Glaube aber auch, dass du es nur deshalb nicht weisst, weil du es nicht wissen willst. Und womöglich gehört das dazu – zu dem level, meine ich, auf dem du spielst.“
Ich spiele nicht, dachte Schell, und sagte „Wie auch immer“.
Während er Beppo beim Hantieren an der Spülmaschine zusah, hatte er das Gefühl, wie nach langer Zeit zurückgekehrt zu sein. Das Ereignis erschien ihm in weite Ferne gerückt.
Wie angenehm es hier ist, dachte er. Wie zuhause.

Diese große Wohnküche im Hauptgebäude ist das Zentrum der Tankstelle. Die Räume dahinter bewohnen Barumiru, der Mechaniker, und Drita, seine Frau, sowie drei von den Jugendlichen, den sogenannten Schwererziehbaren. Im Obergeschoss wohnen Manne und Uschi mit den Kindern: dem gemeinsamen Töchterlein und den Söhnen von Uschi, sechzehn- und achtzehnjährig; deren Vater, ein Künstler, auch auf dem Gelände haust, in einer Garage, die er zum Atelier umfunktioniert hat. Des weiteren wohnen, auf die Nebengebäude verteilt, noch vier weitere junge Schwererziehbare auf der Tankstelle, sowie ausser Schell und dem erwähnten Beppo noch ein gewisser Raschid, Marokkaner, und eine Hippie-Dame, Lady Rainbow genannt. Zuletzt ist noch an jenen Gottfried Nolte zu erinnern, der einen der Wohnwägen auf der Wiese hinterm Schrottplatz bewohnt, sehr oft aber auf Reisen ist.
Abends in der Küche, auch wenn nur selten alle zum gemeinsamen Essen da sind, ist Chaos der Normalzustand, und sich darin zu entspannen, bedarf es überdurchschnittlicher Nervenstärke. Entsprechend hatte Schell, als er vor bald zwei Jahren hier eingetaucht war, eine Weile gebraucht, diese chaotische Geselligkeit schätzen zu lernen; nämlich bis er begriffen hatte, worum es hier eigentlich geht.
Nicht nur ist diese Tankstelle ein Unterschlupf für gesellschaftliche Randgestalten, sondern vor allem ein Ort, an dem es jenen „schwererziehbaren“ Jugendlichen möglich wird, sich selber soweit ernst zu nehmen, dass sie es schaffen, aus ihren Karrieren als Problemfälle auszusteigen und sich von der staatlichen Fürsorge abzunabeln. Niemand versucht sie hier zu erziehen, niemand stellt ihnen Bedingungen. Dafür, dass Manne und Uschi ihnen diesen Ort bieten, mietfrei, haben sie sich lediglich an das Toleranzgebot zu halten, und das ist, weil natürlich Streitigkeiten an der Tagesordnung sind, allen geläufig, diese einzige Regel nämlich: Jeder ist okay. Wer diese Regel missachtet, ist nicht okay und fliegt raus.
Schell vermutet, dass hier das Zusammenleben deshalb so gut läuft, weil die Wesensart, die Manne und Uschi gleichermaßen auszeichnet – sie sind zwanglos, großzügig, hilfsbereit –, irgendwie auf die ganze Tankstellengemeinde abfärbt. Weshalb vermutlich auch die Firma Mannes Taxi gut floriert. Denn besagte Wesensart scheint sich irgendwie auch den Geschäftspartnern, den Fahrern und den Kunden mitzuteilen. Irgendwie? Nein. Das Gesetz, nach dem das funktioniert, ist das Gesetz der Resonanz.
Ausser den vier Autos, die den regulären Taxibetrieb bestreiten, sind zwei Luxuslimousinen für Stammkunden im Einsatz, sowie das sogenannte Retro-Taxi, das Schell meistens fährt: ein gut erhaltener schwarzer Heckflossen-Mercedes aus den 1970ern, den Manne, als er noch im Haschisch-Handel tätig war, beim Pokern gewonnen hat. Und dass diese Flotte stets bestens in Schuss ist, verdankt sich dem Werkstatt-Team, bestehend aus Barumiru, einem unkomplizierten Alleskönner aus Rumänien, und Beppo, dem stummen Elektronik-Genie.
Zwar liesse der Betrieb sich ohne weiteres vergrößern, doch haben Manne und Uschi beide nicht die Neigung, sich zu überarbeiten, und sind der Meinung, was der Laden einbringt, reicht. Daher auch die Regelung, dass wenn sie die Arbeit im Büro satt haben, Funk und Telefon einfach umgestellt werden auf die Zentrale eines anderen, größeren Taxi-Unternehmens, über welche generell auch der Nacht-Service von Mannes Taxi läuft.

In der mit Gerätschaften für Krafttraining und Kampfsport ausgestatteten ehemaligen Lkw-Werkstatt, schlicht der „Schuppen“ genannt, war es kalt. Schell wärmte sich mit Seilspringen auf, bevor er sich die Hände bandagierte und am Sandsack weitermachte.
In jungen Jahren war er im Boxverein gewesen und die Grundlagen des klassischen Boxens hatte er noch intus. Doch bevor er damit vor kurzem wieder angefangen hatte, trainingshalber, hatte er rund fünfzehn Jahre gar nicht mehr geboxt, und insofern nahm er sich selbst als Kampfsportler nicht eigentlich ernst im Vergleich zu Manne und Nolte.
Nolte war Kickboxer und als solcher auf hohem Niveau, soweit Schell das beurteilen konnte, und für Manne war ja Kung Fu so etwas wie ein way of life. Beide – Nolte, wenn er nicht gerade verreist war – trainierten hier jeden Tag, und von den Jugendlichen konnten alle, die Lust dazu hatten, mittrainieren und sich gezielt auch etwas beibringen lassen.
Während Schell gegen Manne immer wieder gern ein Kämpfchen wagte, auch wenn klar war, dass er keine Chance hatte, je eins zu gewinnen, hätte er es nicht gewagt, Nolte herauszufordern. Wenn Manne sich das gelegentlich getraute, so nur deshalb, weil er sicher sein durfte, dass Nolte sich ihm gegenüber genauso zurückhielt, wie er seinerseits sich Schell gegenüber zurückhielt.
Als Manne in den Schuppen kam, pfiff Schell die Erkennungsmelodie jener alten Fernseh-Serie, durch die das Kung Fu in den 1970er Jahren der Jugend in den westlichen Ländern bekannt wurde; sein inzwischen übliches Zeichen, dass er auf einen Kampf aus war. Manne half ihm, die Boxhandschuhe zu verschnüren – er selber benutzte nie welche –, und los ging’s.
Eine Runde dauerte bei ihnen solange, bis Schell auf irgendeine Weise zu Boden ging oder vor lauter effektlosen Schlagkombinationen so ausgepumpt war, dass er aufgeben musste. Selten schaffte er mehr als drei Runden, und während ihm das alles abverlangte, was er an Kondition hatte, war Manne kaum mehr als eine etwas vertiefte Atmung anzumerken. Und wenn es ihm sogar gelang, den einen oder anderen Treffer zu landen, so war klar, dass Manne das nur zuliess, um ihn dadurch bei Laune zu halten. Hätte Schell also ernstlich einen Ehrgeiz gehabt, hätten diese Kämpfe ihn reichlich frustriert.
Als sie nach der ersten Runde pausierten, sagte Manne: „Ich werd aus dir nicht schlau, Alter. Du wirkst inzwischen so beherrscht. Als sei für dich der ganze Spuk mit Schells Bureau schon irgendwie vorüber. Mich, ehrlich gesagt, beschäftigt das tagtäglich.“
Schell nickte erstmal nur vor sich hin. Dann gab er zur Antwort: „Ich weiss nur, dass der Schell, den du hier ‘rumboxen siehst, der Taxifahrer, zu eingeschränkt ist, zu begrenzt, zu klein, um zu begreifen, was durch das Ereignis in Gang gekommen ist. Doch haben seine vergeblichen Versuche, es zu begreifen, zu einem Resultat geführt: Er hat sich an die Beschränktheit seines Verstandes gewöhnt. Das Nichtbegreifen ist für ihn nicht mehr der Ausnahmezustand, sondern Normalität. Eine etwas andere als seine bisherige Normalität. Es ist da eine Distanz entstanden, und das jedenfalls kann er dir verraten: diese Distanz macht echt einen Unterschied.“
„Verstehe. Er spricht von sich selber in der Dritten Person Singular, das heisst: sieht sich als jemand anderen.“
Identifiziert sich also nicht mehr mit dem Protagonisten seiner Story, dachten sie beide, ohne es auszusprechen – oder genau anders herum: ist mit diesem Protagonisten jetzt etwa erst recht identisch?
Schell schlug seine Handschuhe gegeneinander. „Komm, machen wir weiter!“
Diesmal vermochte er seine Konzentration ziemlich lange aufrechtzuerhalten, bis Manne ihn mit einem Fußfeger zu Fall brachte.
Während er sich von dieser zweiten Runde erholte, nutzte Manne die Pause für ein paar Muskeldehnungen und fragte schliesslich: „Reicht’s dir eigentlich gar nicht hier? Ich meine, wird dieses Frankfurt dir nicht langweilig? Man könnte sich vorstellen, dass du mal ‘ne Abwechslung vertragen könntest.“
„Verstehe ich, worauf du anspielst?“
„Du bist doch früher viel gereist. Jetzt bist du ewig nicht mehr weg gewesen. Ob es dir nicht gut täte, frage ich mich, dein Einsiedlerleben hier mal zu unterbrechen?“
Schell nickte. „Habe ich mich auch schon gefragt. Man bräuchte allerdings das Bedürfnis, ein gewisses Fernweh oder so. Wenn ich aber in den Himmel schaue, die vielen Flugzeuge sehe, mir die ganzen Leute vorstelle, wie sie überall Urlaub machen …“
„So gesehen, klar. Doch man kann ja auch noch anders verreisen.“
„Ach, Manne.“
„Denk einfach mal drüber nach. Und dass es jedenfalls nicht am Geld scheitern sollte. Uschi hatte nämlich die Idee: Lass uns dem Schell ‘ne Reise spendieren, und die Idee ist einfach gut, finde ich.“
„Blödsinn. Ich hätte genug Geld, um zu verreisen.“ Schell schlug eine Gerade in Richtung Mannes Kopf, so ansatzlos wie ihm nur irgend möglich, und Manne, mit einem Minimum an Bewegung, wich ihr aus und grinste. „Denk trotzdem drüber nach.“ Und damit widmeten sie sich der dritten Runde.

Schell, als er später mit dem Taxi unterwegs war, stellte sich die Erdkugel vor; rief sich die Kontinente vor Augen, die größten Gebirgsketten und Flüsse, die Umrisse von verschiedenen Ländern und Inseln, und liess seinen Blick aus der Vogelperspektive über Landschaften, Küsten und Städte schweifen, die ihn besonders interessierten. Von vielen Gegenden hatte er nur sehr vage oder auch gar keine Vorstellungen, und von sehr vielem, was er bildlich vor sich sah, wusste er sofort, dass es klischeehaft war, veraltet, beschönigt, aus Fotos und Filmen hervorgegangen, und garantiert nicht der gegenwärtigen Realität entsprach. So aber wie in meiner Vorstellung, dachte er, gefällt mir unser Globus ganz gut …

Als Uschi sich abends in der Küche zum Essen neben ihn setzte, deutete er ihren fragenden Blick so, dass er sagte: „Ich ziehe es in Erwägung. Denn mal wieder zu verreisen, warum nicht? Aber da ich ja Geld verdiene, wie ihr wisst, und meine Ausgaben minimal sind, habe ich genug, um eine Reise selber zu bezahlen.“
„Verstanden“, sagte Uschi. „Sehe dich sowieso nicht im Orient Express oder einem Palace Hotel; eher im Kaukasus bei irgendwelchen Ziegenhirten am Feuer.“
„Ja, das könnte mich schon reizen …“ Er schaute zu Beppo hinüber. Der saß da zwischen Barumiru und Drita wieder ganz normal beim Essen, und Schell staunte aufs neue.
„Unglaublich“, sagte er zu Uschi, „ich war die letzten Monate sowas von weggetreten, dass ich tatsächlich bis gestern Abend nicht bemerkt habe, dass Beppo inzwischen hier wie selbstverständlich mit am Tisch sitzt.“
„Na ja, noch nicht so ganz wie selbstverständlich. Du wirst schon mitbekommen, wie er manchmal, wenn’s ihm zuviel wird, so eine bestimmte Gebärde macht, um sich zu beruhigen, oder auch abrupt einfach verschwindet.“
„Meinst du das da?“
Beppo hatte sein Essbesteck niedergelegt und hob langsam beide Hände bis in Brusthöhe, und hielt sie ausgebreitet, die Innenflächen nach unten, so als würde er etwas großes rundes halten, einen Ball etwa, und ihr Zittern dabei wirkte wie durch eine Überanstrengung hervorgerufen.
Uschi sagte leise: „Er hat irgendwie gespürt, dass wir über ihn reden. Glaube ich zumindest. Und jetzt siehst du’s … Ich finde, er drückt damit aus: Alles too much.“
„Ja“, entgegnete Schell, ebenfalls leise, „als hätte er unserem Planeten die Hände aufgelegt, und die zittern deshalb so, weil die ganze Erdkugel dermaßen am Vibrieren ist.“
„Und er muss das alles halten …“
Dem geht’s wie mir, dachte Schell. Wenn ich an das Ereignis denke und mit einer einzigen Gebärde ausdrücken sollte, wie sich das anfühlt, käme nur diese, Beppo’s Gebärde, infrage.
Uschi: „Wenn er das macht, ist ihm gerade bewusst geworden, dass er es hier und jetzt mit uns allen zusammen nicht mehr lange aushält. Du wirst sehen, gleich verzieht er sich.“
Und so war’s.
Wie wenn Barrieren, dachte Schell, die man nie bemerkt hat, plötzlich wegfallen und sich so etwas wie eine Totalerfassung unaufhaltsam anbahnt. Nichts läuft mehr schön der Reihe nach, man muss alles gleichzeitig erfassen. Als hätte man alles auf einmal vor sich. Nichts gegen so eine große Zusammenschau, sofern man sie kontrollieren kann. Doch wenn sie unkontrolliert über einen hereinbricht?
Das war es ja, was Schell sich während der letzten Monate beigebracht hatte: sich von solchen Zuständen der Zusammenschau nicht überwältigen zu lassen, sondern jedesmal, wenn sie zu einem übergroßen Alles-auf-einmal anzuwachsen drohten, einen Schlusspunkt zu setzen, indem er sich auf das Machtwort konzentrierte. Könnte doch sein, dachte er, dass wenn Beppo dergleichen ähnlich so erlebt, seine Gebärde auch diese Funktion hat: ihn vor der Überwältigung zu schützen, vorm Durchknallen …

Rund um den langen Tisch voller Teller und Töpfe gingen wie immer Gespräche und Gewitzel durcheinander; niemand sonst schien von Beppo Notiz genommen zu haben, auch Drita nicht, neben der er gesessen hatte; die lebhaft die ganze Zeit zur anderen Seite hin auf Manne einredete, der ihr zuhörte und nur hin und wieder nickte. Wie Uschi erläuterte, versuchte Drita mal wieder, Manne für ihre Pläne zu begeistern, wie sie den kleinen Gemüsegarten, den sie auf dem Gelände hinterm Schrottplatz angelegt hatte, zu vergrößern gedachte. „Letztlich will sie ein Gewächshaus, glaube ich.“ Und Schell fand: „Gute Idee.“
Sie hatten fertig gegessen und Uschi, während sie sich eine Zigarette drehte, sagte: „Du guckst irgendwie so, weiss nicht … fragend. Als ob du dich die ganze Zeit wunderst.“
„Hm, ja … Manne zum Beispiel.“ Der alte Kiffer …
„Was ist mit dem?“
„Habe ihn den ganzen Abend noch gar keinen Joint rauchen sehen.“
„Weil er mit dem Kiffen aufgehört hat.“
Schell schaute sie groß an; dann zu Manne hinüber, sprachlos.
„Ach. Das hast du auch nicht mitgekriegt?“
Schell kopfschüttelnd: „Unglaublich.“
„Tja, Schell, die Sache mit dir, dieses Internet-Ding, was du das Ereignis genannt hast, das hat auch den Manne ganz schön durchgeschüttelt; und er ist davon immernoch ziemlich irritiert; fast schon paranoid manchmal.“
„O je. Dann ist jedenfalls gut, dass er nicht mehr kifft.“
„Kann man wohl sagen. Und du selber?“
„Ein Bier. Eins. Ist, was ich höchstens noch vertrage. Und mal ‘ne Zigarette vielleicht.“
Worauf sie ihm ihren Tabak rüberschob.
„Danke“, sagte er. „Und danke überhaupt.“
Sie winkte ab; zündete ihre Selbstgedrehte an, dann schaute sie suchend umher. „Hast du Rex gesehen?“
Rex! – Schell zutiefst bestürzt: Wann hatte er den guten alten Rex zum letztenmal bewusst wahrgenommen? Das musste Monate her sein! Er bückte sich, um unterm Tisch nachzusehen. „Rex … Ja, verdammt, wo ist der?“
Rex war eigentlich immer in der Küche, wenn hier was los war.
„Zu uns nach oben, die Treppe rauf, schafft er es inzwischen nicht mehr“, sagte Uschi, „und an manchen Abenden bleibt er neuerdings auch lieber drüben im Büro liegen.“
Also ging Schell da noch rüber, wenig später, bevor er sich in seine Bude zurückzog, und hörte auch gleich das wohlbekannte Geräusch, wie der greise Rex, auf der Seite liegend, mit dem Schwanz, statt zu wedeln, gemächlich auf den Boden klopfte. „Hey, Alter“, Schell ging in die Hocke, „bin von weit, weit weg wieder zurück“, und kraulte ihn bedächtig.

B.3

Dem Machtwort auf der Spur

Mit dem Ereignis hat das gewohnte Leben aufgehört. Mein Sinn für das, was wirklich ist – gelähmt. Das mir bisher Alltägliche, Normale, ist unwirklich, mysteriös geworden; und was mir als besonders unwirklich-mysteriös daran erscheint, ist, dass es schlicht weiterläuft so wie gehabt.
Freund Manne hat an jenem Abend, als „es sich ereignete“, jene alte Anschauung ins Spiel gebracht, derzufolge wir eigentlich alle Gestorbene sind, und warum, wird mir immer klarer. So herum die Welt zu sehen, hat für den Alltagsverstand keinen Gebrauchswert, und bevor er nicht erst gehörig erschüttert wird, dieser Alltagsverstand, liegt ihm bestimmt nichts ferner als sich freiwillig dafür zu interessieren, was jene Anschauung eigentlich meint – dass nämlich, wenn das hier das Totenreich ist, wir auch einem Reich der Lebenden angehören, weil wir sonst uns gar nicht als Gestorbene erkennen könnten.
Dich als gestorben zu betrachten, ist jedenfalls mal ein Anfang.
Es ist der Imperator, der das zum besten gibt, der Römer Marc Aurel, durch den ich in puncto Selbstbeherrschung die größte Unterstützung erfahre. Seine berühmten Selbstbetrachtungen, ein handliches Büchlein, hatte ich während der Jahre, in denen ich viel auf Reisen war, immer im Gepäck, und so ist mir mit der Zeit wie nebenbei die Zwiesprache mit ihm zur Selbstverständlichkeit geworden.
Es war ihm kein Vergnügen, den Kaiser zu spielen, vielmehr eine Bürde. Damals, im zweiten Jahrhundert nach Christi, hatte das Römische Reich seine größte Ausdehnung erreicht. Die Dekadenz war schon in vollem Gange, in den Katakomben gärte das Neue; die Idee „Rom“ als Vorbild für die anderen Völker war verbraucht. Entsprechend wagte man Aufstände überall, und weil dadurch für den Kaiser als Oberbefehlshaber der Armee die militärische Sicherung des Imperiums von höchster Priorität war, sah er sich gezwungen, so ziemlich seine gesamte Regierungszeit in den diversen Kriegsgebieten zu verbringen.
Was er da in seinen Mußestunden zu Papier brachte, immer schwankend zwischen Idealismus und Zweifel, Resignation und Zuversicht, zeugt von dem ständigen Versuch, sich gedanklich klar seines Standpunktes zu vergewissern und dadurch, aus der eigenen Denkkraft heraus, Trost, Erbauung und Antrieb zu schöpfen. Es drückt sich da eine Haltung aus, die der ursprünglichen Philosophie noch nahe genug ist, um den menschlichen Verstand als Teil der kosmisch-göttlichen Vernunft zu verstehen, die andererseits aber schon ganz in dem sich seiner selbst bewussten Einzel-Ich verankert ist; eine Geisteshaltung, die verlangt, permanent Rechenschaft abzulegen vor sich selbst, sich anzuschauen im Lichte der Selbstbewusstheit und sich zu verantworten vor der eigenen Erkenntnis.
Was sich mit einer derart ernsthaften Selbsterkenntnis am wenigsten verträgt, ist die Selbstsucht, und entsprechend gibt es für den, der diesen Weg beschreitet, kein höheres Ideal als die Selbstüberwindung. Verständlich also, dass es nicht Sache dieses Mannes sein konnte, einfach das Leben zu genießen – er hätte sich ja ohne weiteres auf einem wohltemperierten Inselchen im schönen Mittelmeer der philosophischen Literatur widmen können –, sondern dass er es vorzog, seine ungeliebte Pflicht als Oberhaupt Roms zu erfüllen, nämlich von ungemütlichen Feldlagern aus die imperiale Politik zu leiten, das heisst den Dauerkrieg, und dieses ihm durchaus Ungelegene sich zur Gelegenheit zu machen, seine Weltanschauung zu verwirklichen, sich also als stoischer Philosoph zu bewähren.
Mögen wohl formale Brillanz, Systematik und logischer Gehalt stark beitragen zur Überzeugungskraft philosophischer Gedanken, ihr Wahrheitswert aber erweist sich erst in dem, was sie im Alltäglichen bewirken. Jemand wie Marc Aurel, der im Geiste der Stoa vor allem auf ein moralisch richtiges Handeln bedacht war, musste sich sagen: Die Rolle, die zu spielen ich berufen bin, ist Sache der Geburt, ist Schicksal; darin aber, wie ich sie ausfülle, bin ich frei. Ich kann darin Meisterschaft anstreben oder es auch verderben, indem ich dieses Potenzial schnöde ignoriere. Er, der Autor der Selbstbetrachtungen, in der Rolle des Imperators, wollte es auf keinen Fall verderben, und warum, das verstand sich nicht von selbst, das musste er sich immer wieder klar machen. Dazu diente ihm das Schreiben.
Diese Art des Marc Aurel, per Selbstgespräch immer wieder wie einzukehren ins eigene denkende Ich und dadurch beruhigend auf die Seele einzuwirken, hat für mich die Vorbildfunktion nicht erst, seit mich das Ereignis durchschüttelt, sondern hatte sie auch schon vorher, insbesondere während der Zeit mit Ingrun, meiner Ex. Denn wie mir unlängst auffiel, ist das Ereignis nicht das erste Etwas, über das nachzudenken ich mich weigere, indem ich versuche, um es herum zu denken …
Als ich mit Ingrun zusammen lebte, mochte ich nicht zurückblicken auf das, was für mich vorher von großer Bedeutung war, nämlich meine Mitarbeit im Mayer-Tong-Kollektiv. Das änderte sich erst nach unserer Trennung, da blickte ich dann auf jene Mayer-Tong-Sache zurück, um mich vom Rückblick auf die Zeit mit Ingrun abzulenken. Während mir nun, gut ein Jahr später, dieser Rückblick auf die Ingrun-Ära gerade recht kommt, um mich vom Ereignis abzulenken.
Hat es vielleicht schon immer etwas gegeben, an das ich nicht denken wollte? Gehört womöglich die Methode, durch Drumherumdenken das Wesentliche zu vermeiden, auch zum Selbstverständlichen? Ich ahne, dass es auch schon damals, als ich dem Mayer-Tong-Kollektiv angehörte, etwas gab, auf das ich nicht zurückzublicken wagte, und davor ebenfalls etwas, wie womöglich auch schon davor …

So wie ich schliesslich davon überzeugt war, Ingrun sei einem Wahn verfallen, war sie, wie sich herausstellte, was mich anging zu derselben Überzeugung gekommen. So einfach plötzlich, was über Jahre hin ein aufreibender, unerklärlicher Konflikt gewesen war: Wenn zwei Menschen sich gegenseitig für wahnsinnig halten – und beide sich selbst natürlich für völlig normal –, heisst das doch, beide sind wahnsinnig. Und was musste ich daraus folgern? Dass ich tatsächlich allen Grund hatte, an meinem Verstand zu zweifeln.
Wie es dazu kommen konnte, ist eine längere Geschichte; eine, die sich aufgrund ihrer exotischen Details zwar zu einer interessanten Erzählung machen ließe, die aber doch nur dem klassischen Muster folgte: In der anfänglichen Verliebtheit empfanden wir die gegenseitige Beeinflussung genussvoll als Steigerung, Entgrenzung, ja Erlösung. Doch wie jedem Rausch folgte auch diesem die Ernüchterung. Bald fühlten wir uns nicht mehr liebevoll beeinflusst, sondern egoistisch seitens des anderen manipuliert. Was uns zuvor Genuss war, schlug um ins Gegenteilige, machte uns beschränkt, berechnend, abhängig. Aus dem Verliebtsein war Verstrickung geworden, und ohne dass wir es bemerkten, befanden wir uns gegeneinander im Kampf. Während wir nach aussen hin das perfekte Paar präsentierten – und uns das auch selber noch durchaus vorzuspielen wussten –, war unser gemeinsamer Alltag schon gänzlich von Zwanghaftigkeit bestimmt, von Vorsicht, von kleinlichem Taktieren und doppeltem Spiel. So entpuppte sich das, was wir vor kaum zwei Jahren für Liebe gehalten hatten, als ein Irrtum, folgenschwer genug, dass wir fast noch einmal zwei Jahre brauchten, um da wieder herauszufinden.
So sehe ich es heute. Doch bin ich wirklich schon in sicherem Abstand dazu? Dass sich meine Pulsfrequenz gerade erhöht, spricht eindeutig dagegen. Wenn eine so kluge Frau wie Ingrun es darauf anlegt, jemanden in den Wahnsinn zu treiben, dann …
Womöglich hatte ich damals allen Grund, paranoid zu sein.
Einmal hatten wir uns eine Streiterei um den Begriff des Ich geleistet – einen Schlagabtausch der Serie Psychologie-versus-Philosophie –, und um meinen Ich-Begriff auf den Punkt zu bringen, las ich ihr aus meinem Marc Aurel den schönen Satz über den „führenden Seelenteil“ vor; worauf sie mir verächtlich hinwarf, ich hätte ja alles nur aus Büchern, wohl wissend, dass das kein Argument, sondern ein Angriff war; wohl wissend vor allem, dass ich genau verstand, worauf dieses ihr bewusstes Missverstehen berechnet war: mich in Ohnmacht zu versetzen, in Wut und Rachestimmung.
Ein Jammer, dass ich das noch alles so genau erinnere, dafür aber das mit dem „führenden Seelenteil“ gar nicht mehr zusammenbringe … Würde das jetzt gerne nachlesen, zur Beruhigung, doch sämtliche Bücher, und leider auch den Marc Aurel, musste ich damals bei meinem fluchtartigen Abgang in Ingrun’s Wohnung zurücklassen; wie im übrigen, vom Laptop abgesehen, alles, was ich an jenem Abend nicht gerade am Leibe trug.
Ich habe zwar mit ihr noch telefoniert, doch eine Übergabe meiner Sachen kam dadurch nicht zustande. Kein Wunder, denn ungeachtet der Frage, was davon ich wirklich brauchte, lag mir daran, ihr zu demonstrieren: ich brauche das alles nicht!
Zuletzt hatte sie behauptet, sie habe meinen ganzen Kram in Kartons gepackt und von Mahmoud, einem gemeinsamen Freund, abholen lassen. Unter der Telefonnummer, die sie mir nannte, konnte ich Mahmoud allerdings nie erreichen. Da meldete sich immer nur eine anonyme Mailbox, und es kam bis heute noch kein Rückruf. Ich kann mir vorstellen, dass Mahmoud – falls Ingrun ihm wirklich meine Sachen übergeben hat – mich hin und wieder über dieselbe falsche Nummer zu erreichen versucht.
Leider hatte ich diesen Mahmoud nicht so oft getroffen, als dass er mir schon Freund genug geworden wäre, um auch ausserhalb von Ingrun’s Umkreis mit ihm zu verkehren; leider, denn er war der einzige in diesem Kreis, der mir auf Anhieb höchst sympathisch gewesen war. Da wir uns immer nur auf Partys gesehen und uns da stets nur über weltgeschichtliche Themen ausgetauscht hatten, weiss ich an Faktischem über Mahmoud nur wenig. Er ist Perser; in Wien aufgewachsen; Facharzt für Nierenheilkunde; spielt Trompete und hat ein Faible für Bauchtanz-Darbietungen.
Dass ich Mahmoud wiedersehe und also meiner Sachen wieder habhaft werde, wird immer unwahrscheinlicher. Doch vermisse ich überhaupt etwas? Habe ich etwas verloren? Tatsächlich ja all das, was ich bisher geschrieben hatte, mein Werk. Alles übrige war nicht schwer zu verschmerzen, meine Büchersammlung zum Beispiel, die Erinnerungsfotos oder allerlei wichtige Dokumente – im Grunde bin ich sogar froh, den ganzen Krempel los zu sein. Mich hingegen mit dem Verlust meines Schreibwerks abzufinden, scheint mir für die Loslösung von Ingrun ein Preis zu sein, der mir immernoch als der denkbar höchste vorkommt. Wenn ich mir auch sage: Es sind nur Worte auf Papier, aus denen dein Verlust besteht, so kann ich doch nicht absehen vom Teil des Lebens, der darin steckt, von all der Zeit.
Es musste aber letztlich so sein, damit ich nach der Ära Ingrun wirklich neu beginnen konnte. Dafür ist mir jener Moment an unserem letzten Abend zum Sinnbild geworden: Wir hatten heftig gestritten und ich war, von ihrem Gesichtsausdruck entsetzt, zurückgewichen; ins Arbeitszimmer, um mir meine Jacke zu schnappen, die Brieftasche und meinen Rechner – denn ich ahnte es: Endstation –; und langsam, rückwärts, wie benommen, aus der Wohnung, und dann hastig die Treppen hinunter. Ich schaute von der Straße aus nach oben – es regnete – und wie erwartet warf sie mir aus dem Fenster etwas hinterher. Es segelte herab und ich wusste sogleich: meine geliebte alte Kapuzenjacke, in der mir beim Schreiben immer so schön gemütlich war. Kurz war ich versucht, sie aufzuheben, doch befahl ich mir: Lass sie liegen, besiegele damit das Ende!, und machte mich ohne sie davon.
Bisweilen überlege ich, wie es anzustellen wäre, Mahmoud aufzustöbern. Zwar ist mir sein Familienname unbekannt, doch allzu viele Nephrologen mit Vornamen Mahmoud gibt’s in Frankfurt sicher nicht. Ich unternehme in dieser Richtung deshalb nichts, weil der Wunsch, wieder an meine Sachen zu kommen, sich mit dem Wunsch, ihrer ledig zu bleiben, genau die Waage hält.
Auch wenn ich von Mahmoud vielleicht etwas über Ingrun erfahren würde, das ich wissen müsste – denn wenn das Ereignis inszeniert wurde – und das steht ausser Zweifel – und damit also jemand einen Plan verfolgt – und zu diesem Plan gehört, dass ich durchdrehe – dann, ja dann komme ich immer wieder nur auf sie, auf Ingrun – auch wenn klar ist, dass eine solche Inszenierung ihre Möglichkeiten überschreitet – auch wenn, denn das heisst trotzdem – wer weiss mit wem sie sich verbündet hat – wer noch wollen könnte, dass ich mich um den Verstand – oder sollte ich direkt mit ihr Kontakt – oh, mein Puls jetzt aber signifikant
Stop!
Punkt
Wie diese Verfolgungsjagden im Traum, man rennt, rennt und kommt nicht vom Fleck. Qualvoll, meinem Denken dabei zusehen zu müssen, wie es sich in einem Sirup bewegt, einer gewissen Helligkeit entgegen, die mit jedem Schritt vor mir zurückzuweichen scheint, und das ständig drängende Gefühl dabei: Jetzt kommt’s! Bin kurz davor! Gleich wach ich auf! Vergeblich fokussierend auf Bedeutung, auf klaren Sinn, Konkretes, ganz ähnlich wie in jenem Istanbul-Real, in der Szene mit den zwei Mongolen, als ich auf den Zettel fokussierte, der sich kurz bevor zu lesen war, was darauf geschrieben stand, in meinem Kopf zusammenknüllte –
Genug! Erinnere dich, worum es eigentlich geht!
Um das Drumherumdenken. Ums Ablenken vom Unerklärlichen. Um das Ereignis zu ertragen.
Falsch gedacht!
Dann darum, aus dem falschen Denken ins richtige zu kommen. Um das Ereignis zu begreifen.
Ha! Noch lange nicht!
Um Selbstüberwindung? Nein – zu groß, darum geht’s ja prinzipiell und immer. Dann vielleicht darum: Meinen Blutkreislauf zu regulieren. Eine kardiologische Angelegenheit.
Schon besser!
Ah, ich verstehe: das innere Machtwort. Es geht um –
Punkt!

Es dunkelt vor dem Fenster und ich erkenne gerade noch, dass ein wenig Schnee die Trauerweide ziert.
Endlich Stille, denke ich, und bemerke, wie tief erschöpft ich bin.
Das Bemühen die ganze Zeit, meinen Gedanken gegenüber so aufmerksam zu sein, dass ich sie anzuhalten vermag, bevor sie sich in Spekulationen über das Ereignis verlieren, strengt mich enorm an. Mein Denken kommt mir wie ein Labyrinth vor, und diese Spekulationen bilden darin nochmal ein separates Labyrinth, ein kleineres sozusagen, welches das größere, das Denklabyrinth, auf einer höheren Schwierigkeitsstufe wiederholt. Das ist das Gefühl: da etwas wie ein neues geistiges Gravitationszentrum in mir zu haben, dem ich noch nicht gewachsen bin.
Und da, wie um die Vergeblichkeit all meiner Ablenkungsmanöver zu bestätigen, habe ich es plötzlich wieder vor mir, riesiger, chaotischer denn je – das Unerklärliche.
Ich starre dieses Wort an: das Unerklärliche. Repräsentiert durch Schells Bureau. So nah ist es – nur ein paar Klicks, schon wäre ich darin, schon wär’ das Unerklärliche – real.
Und wieder rast mein Herz.
Beruhige dich, so höre ich in mir den Imperator. Vieles ist doch unerklärlich; das meiste sogar; genau genommen eigentlich alles. Und du regst dich auf über ein spezielles Unerklärliches?
Es regte mich nicht auf, würde das eine Unerklärliche ins unerklärliche Gesamtbild passen. Doch kommt das Ereignis einem Riss im Gesamtbild gleich. Wie ist das dem großen Imperator klarzumachen? Schmerzlich wird mir bewusst, dass der Beistand, den ich durch ihn erfahre, seine Grenzen hat. Das Ereignis, für dessen Bedeutsamkeit mir nicht einmal der Begriff der Singularität als übertrieben erscheint, ist für den weisen Alten bloß ein Sturm im Wasserglas.
So ist es – und das sollte dir Beistand genug sein.
Ja, aber –
Ja, aber – der dauernde Einwand – nur dieses einzige kleine Hindernis ist noch zu überwinden. Dann öffne Schells Bureau.
Wie bitte das denn plötzlich? Ich bin doch noch keinen Schritt weiter gekommen, alles in mir ist Tumult!
Du brauchst dir das nicht länger einzureden. Es ist vorbei.
Aber mein Herz rast und ich schreie gleich!
Nichts dergleichen. Einbildung. Selten warst du ferner einem Wahn als jetzt.
Aber mein Herz –
Pocht ganz normal.
– Tatsächlich. Aber das Machtwort, das den Tumult beendet – ich habe es noch nicht gefunden!
Machst du davon nicht längst Gebrauch? Ich bin doch da, der Imperator – ich, der dir gebietet.
Wohl wahr. Verzeih! Aber ich fürchte, der Tumult geht weiter.
Nur zu deinem Besten. Denn damit schützt du das Geheimnis. Erst wenn du aus eigener Kraft imstande bist, deinen Gedanken Stille zu gebieten, brauchst du, um nicht länger auszusprechen, was nicht ausgesprochen werden kann, den Tumult nicht mehr.
Brauche dann aber auch dich nicht mehr, o Imperator.
Wir haben uns verstanden. Das heisst, nun ist es soweit: Öffne Schells Bureau!

B.2

Die Durststrecke

Seit das Weblog Schells Bureau auftauchte, befinde ich mich im Ausnahmezustand. Wie kann es sein, dass in diesem Internet-Ding sich meine gedankliche Gegenwart von selbst formuliert? Ist das nicht Zauberei? Muss ich an Zauberei glauben?

Zeitgleich dazu die Sache mit dem Schlüssel, über den ich an die sogenannte Azuette kam, jene Comic-Version der Azuma-Statuette: Wer hat mich dieses fiktive Objekt aus meiner Romanwelt in einem realen Bahnhofsschliessfach finden lassen? Wer inszeniert so etwas? Mit welchem Ziel?

Mein Verstand, obwohl hochtourig aktiv, hat bisher noch keine Antworten gefunden, dafür immer mehr Fragen. Sicher ist nur, dass zwischen Schells Bureau und der Azuette ein Zusammenhang besteht; dass das eine nur im Zusammenhang mit dem anderen einen Sinn ergibt. Darauf, auf diesen rätselhaften Sinnzusammenhang, lässt sich reduzieren, was ich Das Ereignis nenne; und da herum kreisen meine Gedanken, immerzu und immer dieselben.

Um nicht verrückt zu werden, muss man das begrenzen, muss die Rotation durchbrechen, indem man wieder und immer wieder ein inneres Machtwort spricht; Selbstbeherrschung vorausgesetzt. Doch wie sich selbst beherrschen ohne jahrelange Übung? Ich musste es auf die Schnelle lernen, per Crashkurs sozusagen. Was den Erfolg angeht, nun ja, bin ich bis hierher durchgekommen. Zumindest kann ich jetzt an Das Ereignis denken, ohne es zu müssen, ohne den unbedingten Zwang und daher ohne Angst vor Wahnsinn.

 

Die Sache hatte sich im Frühjahr ereignet. Inzwischen ist der Sommer vergangen. Es regnet. Ich sitze am Tisch und schaue nach draussen. Das Grün der Trauerweide ist verblasst, das Birkenlaub schon gelblich … Später Nachmittag. Bin gerade vom Joggen zurück. Bei Regen laufe ich besonders gern. Wenn ich nicht jogge, gehe ich in die Sporthalle und verausgabe mich beim Boxtraining. Oft brauche ich beides, das Jogging und das Boxen, und betätige mich ausserdem noch an den Eisenhanteln. Die sportliche Verausgabung hilft mir, meine Unruhe auszuhalten.

Als ich eingesehen hatte, dass mein Verstand von dem Ereignis überfordert war, lag das Nächstliegende auf der Hand: ich durfte mir nicht mehr erlauben, Schells Bureau zu öffnen. Das kostete mich anfangs all meine Willenskraft; und tatsächlich erlag ich nur zweimal der Versuchung.

Das eine Mal – unter dem Titel Und plötzlich Instanbul – platzte ich unvermittelt in eine Verfolgungsjagd hinein. Offenbar ging es um das Gefühl akuter Gefahr, und da wurde mir bewusst, dass das Herzrasen, das jedesmal einsetzte, wenn ich gedanklich dem Ereignis zu nahe kam, bedenklich auf meinen Blutkreislauf zu wirken begann.

Und auch als ich zum zweiten Mal nicht widerstehen konnte, Schells Bureau zu öffnen, hing das, was ich da las, mit meiner strapaziösen Situation zusammen, mit der Haltung unerklärlichen Tatsachen gegenüber und mit Selbstbeherrschung.

Ich bemerkte, woran ich mich die ganze Zeit noch klammerte: an die Möglichkeit nämlich, dass dieser Schell von Schells Bureau vielleicht doch ein anderer sei als ich.

Natürlich hatte ich den Blog nach Angaben über den Autor durchsucht, mehrfach, akribisch, doch vergeblich; während für meinen Freund Manne es sich von Anfang an von selbst verstand, dass ich der Autor bin.

Manne hält Schells Bureau unter Beobachtung und so weiss ich, dass sich da nichts mehr getan hat, seit ich es nicht mehr öffnete – abgesehen von den besagten zwei Malen, als ich der Versuchung nicht hatte widerstehen können. Und das hätte mir Beweis genug dafür sein müssen, dass ich der Autor bin. Doch war damit ja nur etwas Unmögliches bewiesen. Wenn ich in Schells Bureau mich lese – nicht über mich, sondern von mir, in der Ich-Form –, ich es aber nicht bin, der das schreibt: dann muss es einen anderen „Ich“ geben! Was logisch zu der Frage führt: Wer ist realer, ich oder das andere Ich?

Die eigene Echtheit rein theoretisch in Frage zu stellen, ist eines; etwas ganz anderes aber ist es, das Gefühl für seine ureigenste Echtheit zu verlieren. Das Fundamentalste, die ganze Tragweite dessen, was strukturelle Integrität bedeutet, beginnt sich ja überhaupt erst zu erschließen, wenn man es schwinden fühlt. Da wird zur notwendigsten Frage natürlich: Wem schwindet das Fundament? Wer sieht es schwinden? Und von wo aus?

Der Standpunkt, als ich mich so fragte, war mir alles andere als bewusst, und noch gänzlich verborgen der Vorgang, wie sich durch eben dieses Fragen ein neues Fundament zu bilden begann. Nur soviel war mir gerade einmal klar, dass ich mit der üblichen Ich-Auffassung nicht mehr als ein formales Konstrukt hatte, ein grammatisches Phantom, mit dem in einer erweiterten Realität nichts anzufangen war.

Jetzt, da ich das einigermaßen in Worte zu kleiden vermag, ist klar, warum das Ereignis einen Tumult in mir auslösen musste: Ich hatte keine Begriffe; nicht nur dafür keine Begriffe, sondern gar keine; keinen Begriff überhaupt davon, was ein Begriff eigentlich ist. – O nein, ich werde jetzt nicht Begriff definieren, und auch nicht die Grundvoraussetzung des Begreifens: Distanz – welche es mir überhaupt erlaubt, dieses sprachlich zu erfassen.

Immernoch ist später Nachmittag und immernoch regnet es, und ich bin immernoch gerade eben vom Joggen zurück. Doch an der Trauerweide da draussen hat sich das vergilbte Laub inzwischen sehr gelichtet und die Birken sind schon gänzlich kahl … Da sind offenbar viele Nachmittage zu einem einzigen verschmolzen, und das bedeutet wohl, ich komme nur langsam, sehr langsam voran.

 

Einfach das Unerklärliche nicht wahrhaben zu wollen, hilft nicht weiter, soviel ist klar. Bleibt nur, sich den Voraussetzungen dessen zuzuwenden, was man Urteilskraft nennt, oder Vernunft, und im Bereich des Selbstverständlichen nach einer haltbaren Grundlage zu suchen, auf der sich „wirklich“ von „unwirklich“, „erklärbar“ von „unerklärbar“ unterscheiden lässt.

Bist du womöglich schon verrückt? Dieser Verdacht beschlich mich natürlich immer wieder. Allein einen Zugang zum bloßen Begriff des Selbstverständlichen zu finden, kostete mich Stunden …

Von diesen Ausflügen in die Abstraktion versprach ich mir keineswegs Antworten auf meine Fragen; doch halfen sie mir, mein Denken vom Ereignis abzulenken. Im Gegensatz zu jener Meditationsform, durch die man seine Gedankenkraft stärkt, indem man sich auf eine Sache konzentriert, übte ich mich darin, um genau die eine Sache herumzudenken, mich sozusagen von ihr wegzukonzentrieren, zentrifugal. Eine Notlösung, ein Trick, dessen bin ich mir bewusst; aber leider vonnöten, solange ich nicht das Nichtdenken beherrsche.

Oft funktioniert der Trick auch gar nicht …

Wenn das Ereignis inszeniert worden ist: Von wem? Mit welchen Mitteln? Wer bringt es fertig, die absolute Konvergenz meiner Raum-Zeit-Realität mit einem Internet-Blog herzustellen? Nur ich selbst könnte das fertigbringen. Aber ich weiss davon nichts. Heisst das, mich gibt’s doppelt? Oder lebe ich gleichzeitig in zwei Realitäten? Das hiesse, es gäbe sie gar nicht, die Realität, die eine

Und wenn es mich in doppelter Ausführung gäbe: Wie käme die Verbindung zustande zwischen mir hier und mir dort? Ist da Magie im Spiel? Oder eine Technologie, die mir wie Magie erscheint, weil sie mein Vorstellungsvermögen übersteigt?

Spekulationen, Spekulationen … Ich stelle mir vor, wie ich das alles einfach vom Tisch wische, „Schluss für heute“ sage und auf Normalbewusstsein umschalte. Zu sehr aber hat das Ereignis mein Realitätsbewusstsein erschüttert, als dass ich mich ironisch irgendwie darüberstellen könnte. Es ist stattdessen alles aufzufahren, was mir an Geistesstärke zur Verfügung steht. Nur um einfach einen Punkt machen zu können …

 

Immernoch bin ich weit davon entfernt, all das, was mich bestürmt, mich überflutet, an mir rüttelt, auch nur ansatzweise systematisch zu bewältigen. Systematisch daran ist allein die Form, nämlich dass ich schreibend mein gedankliches Chaos zu bändigen versuche.

Natürlich ist das alles hier Fiktion, sage ich mir zum Beispiel; und dass es mir so absolut real vorkommt, ist einfach Teil dieser Fiktion. Doch bleibt die Frage: Ist die Tastatur, auf der ich schreibe, etwa realer als die Schrift, die auf dem Bildschirm erscheint? Und ist diese Schrift wiederum realer als das Gedankliche, das sich durch sie manifestiert?

Es lebt.

So unbestimmt verschwommen dieser Eindruck, so stark und wirklich das Gefühl dabei, so unbezweifelbar das Herzklopfen, das es mir verursacht.

Und jetzt, weil mir beim Schreiben das Es lebt so deutlich zu Bewusstsein kommt, wird mir bemerkbar, dass ich mich eigentlich schon lange wie gestorben fühle.

Etwas hat sich da verschoben, plötzlich; befindet sich jetzt hinter mir, wie ausserhalb; gehörte eben noch zu meinem Inneren, zu dem mir Selbstverständlichen, undurchdringlich und sehr schwer, von dem eine Art Kälte ausging –: Angst.

Deine Angst jetzt ausserhalb von dir? Nun pass aber bloß auf!

Schon gut. Alles nur Fiktion, beschwichtige ich mich. Ich schreib ja gar nicht über mich – jedenfalls nicht über mich „in echt“. Das Schell-Ich war immer rein fiktiv gemeint.

Und im übrigen will ich eigentlich an meiner Bent-Geschichte weiterschreiben. Der arme Manes Bent, der hängt mit seinem Professor Pentshak ja schon wer weiss wielange in Las Vegas fest und wartet auf den Fortgang seines ägyptologischen Abenteuers. Doch wann immer ich dazu ansetze, kommt mir die aktuelle Forschung dazwischen, ein nächster Ausflug ins Reich der Abstraktion, stets dringender als alles andere: das Selbstverständliche mir zu erhellen.

Was ich als Selbstverständliches erkenne, ist nicht mehr selbstverständlich. Ziel eines jeden Ausflugs ins Abstrakte ist sozusagen Entselbstverständlichung.

Zunächst wurde mir die Sucht bewusst; dass ich süchtig bin; dass nämlich schon lange nicht mehr zählte, was ich suche, sondern nur mehr das Suchen selbst; dass der Modus Suche mir zur Droge geworden ist. Was einmal Motivation gewesen war, bestand nur noch um seiner selbst willen, hatte sich, wie es bei jeder Sucht geschieht, in einen Automatismus der Selbsterhaltung verwandelt. Und der Stoff, von dem ich abhing, Unwissen, Mangel an Durchblick, war überall im Überfluss vorhanden, sodass ich mich an das Gefühl, das dieser „Stoff“ hervorrief, nämlich schwach und gering zu sein, so vollkommen gewöhnt hatte, dass jeder lichte Moment der Erkenntnis, des Findens, den Sucher in mir sofort veranlasste, sich Sorgen um den Nachschub zu machen.

Das Selbstverständliche ist eine Abstraktion, es lässt in mir kein Bild entstehen.

Ist keine Abstraktion, denn wenn ich schreibe: selbstverständlich, bilden die Buchstaben ein Bild, ein Schriftbild. Versteht sich das von selbst?

Ich ziehe alles ab und schreibe: Ich sitze da und schreibe, dass ich dasitze und schreibe.

Um die Tautologie noch tautologischer zu machen, ziehe ich noch das Dasitzen ab und schreibe nur noch, dass ich schreibe.

Dann ziehe ich auch den letzten Rest Beschreibung ab: Ich schreibe.

Ende der Geschichte. Ende allen Sinns. Die Tautologie ist perfekt.

Es ist dies die gedankliche Figur, in der ich jedesmal unweigerlich lande, wenn ich beim Sinnieren über das Ereignis mein Denken beobachte. Das rein Formale daran erscheint mir als eine kristalline Struktur, und ich nenne sie tautoloid. Man ist gänzlich von Spiegelflächen eingeschlossen; sitzt darin wie in der Falle.

Wenn man es in der Gedankenwelt mit einer sogenannten reflexion in infinitum zu tun bekommt, einer unendlichen Spiegelung, gilt es, ein Paradoxon auszuhalten: Einerseits weiss man, dass man einen sinnlos gewordenen Denkprozess nur stoppen kann, indem man einfach einen Punkt macht, andererseits weiss man aber auch, dass einem so ein Schlusspunkt nicht genügend festen Boden bietet, um über den leerlaufenden Denkprozess hinaus eine Ebene zu erreichen, auf der man unbezweifelbar real, als Ich nämlich, existent sein kann.

So ein willkürlich gesetzter Punkt vermag wohl einen ins Unendliche sich spiegelnden Gedanken zu stoppen, doch hat dadurch der Ort, an dem ich dadurch bin, nicht mehr Wirklichkeit als eben die einer gestoppten Spiegelung. Ich muss jedoch so vorgehen; muss, um den Verstand nicht zu verlieren, so tun, als wäre ich sicher verankert im Glauben an eine größere, festere Realität jenseits aller Spiegelei; weiss aber leider, dass ich nur so tue, als ob, weil ich eben aus Überlebensgründen so einen Glauben brauche; bleibe in Wahrheit also in der Schwebe hängen, in infinitum, dazu verdammt, weiter nach einem Ausweg zu suchen.

Das ist meine Situation Schells Bureau gegenüber.

Ich habe eine Leere geschaffen, in der ich kaum noch, nur noch grammatisch „ich“ bin. Oder in der nur noch ich bin? Eine Leere, die mir zwar bodenlos erscheint, unräumlich, endlos, ohne aber konkrete Eigenschaften aufzuweisen, wie etwa das Schwindelerregende eines Abgrundes. Und da einfach alle sinnlichen Bezüge fehlen, die Leerheit sinnvoll zu beschreiben, lasse ich sie lieber leer – Punkt – und beende diesen erneuten Versuch, das Unmögliche sprachlich zu ermöglichen, mit einem Blick aus dem Fenster.

Regentropfen an den Scheiben.

Die Trauerweide jetzt zur Gänze nackt. Die kahlen Birken von starkem Wind gezaust.

Und mein Herz pocht nun merklich ruhiger.

Klar also, dass meine Gesundheit ernstlich in Gefahr ist, wenn mir weiterhin der gedankliche Tumult immerzu Herzrasen verursacht, und klar, was demnach höchste Priorität hat: innezuhalten, sobald sich meine Gedanken zu überschlagen beginnen, das heisst bevor ich mich im Sinnlos-Unendlichen verliere, bevor mein Herz hämmert; einfach innezuhalten, indem ich mir sage: – das innere Machtwort, wie auch immer es lautet –; einen Punkt zu machen also, sobald mein Herzschlag sich beschleunigt.

So wie ich schon gelernt habe, mich daran zu hindern, Schells Bureau zu öffnen, werde ich auch lernen –

Punkt.

Doch ich denke weiter.

Noch langelang nicht lang genug, diese Umwege, und doch schon längst so klar: Wenn ich mich solange vom Ereignis entferne, mich wegdenke davon, bis ich da wieder ankomme, bewege ich mich – ja, im Kreise.

Anstatt ihn einfach zu machen, den Punkt, hetze ich um ihn herum wie bei Jules Verne der Phileas Fogg in achzig Tagen um den Erdball. Weil ich eben auch so einer bin, der den Nebel, die Ungewissheit liebt? Wenn dem so ist, dann kann es doch nur darum gehen, dieses ganze Kreisen in ein turbulentes Abenteuer zu verwandeln …

Ich stelle mir eine Art Mystery-Saga vor, und im Anfangskapitel, Dem Machtwort auf der Spur, ist das, worum es geht, noch gar nicht existent, ist noch Mysterium in reinster Form – was erst geschaffen wird.

B.1

A2X27

Die hohe Tür, alt, aus dunklem Holz, kommt mir bekannt vor; und wie ich da stehe, lauschend, nachdem ich gerade angeklopft habe, fühlt sich das wie ein Deja-vu an. Wie neulich, wie damals, wie vor drei Jahren …
Diesmal erwarte ich keine Antwort auf mein Klopfen. Frage mich stattdessen: Ist das wieder der Ausgang? Damals bin ich hierher gesteuert worden, durch ein labyrinthisches Gebäude, Telesterion genannt; das sich in Babaal befand, der Hauptstadt von Andria … Woher komme ich diesmal?
Bin aber auch damals nicht zum erstenmal hier eingetreten … Wer weiss, wieviele Male mir diese Tür schon zum Ausgang von irgendwo diente …
Werde womöglich da drinnen wieder genau das erfahren: woher ich diesmal komme.

Abendlicht. Die beiden hohen Fenster geschlossen. Stille. Niemand ausser mir im Raum. Kein Tabakduft diesmal. Und nicht wie damals jene Atmosphäre, als sei noch eben jemand hier gewesen.
Auch in diesem Halbdunkel ist alles sofort wiederzuerkennen: links der Schreibtisch mit dem Lehnstuhl vor der Bücherwand; rechts der Sessel, das Teetischchen, das Sofa und das Renaissance-Gemälde.
Ich war mir damals sicher, noch nie hier gewesen zu sein, und es verwirrte mich, dass trotzdem alles sich im einzelnen vertraut anfühlte. Ich war ein Besucher, davon ging ich aus, und da niemand da war, kam ich mir in diesem privaten Studierzimmer wie ein Eindringling vor. In der Annahme, dass die Person, die hier arbeitete, gleich wiederkäme, nahm ich in dem Sessel Platz und wartete.
Nach einer logischen Erklärung für diese merkwürdige Situation suchte ich vergebens. Es lief auf die Frage hinaus: Wie wirklich war das Ganze?
Es kam mir dabei seltsam vor, dass ich das Seltsame gar nicht bedrohlich fand. Und woran ich mich ausserdem erinnere: Ich hatte gegen eine enorme Müdigkeit anzukämpfen.
Jetzt bin ich keineswegs so müde; aber fühle mich auch diesmal von der Seltsamkeit der Situation nicht irgendwie bedroht. Ich weiss, wo hier die Lichter angehen; knipse die Stehlampe beim Sofa an, dann die am Schreibtisch, dann noch eine Wandleuchte zwischen den Bücherregalen.
Damals, nachdem ich lang genug gewartet hatte, kam ich zu dem Schluss, dass der, auf dessen Rückkehr ich wartete, wahrscheinlich niemand anderer als ich selbst war. Trotzdem wagte ich nicht gleich, herumzustöbern; vielleicht, weil ich zu müde dazu war. Deshalb wagte ich es schliesslich, mich auf dem Sofa auszustrecken.
Ich habe zwar wieder das Gefühl, ein Besucher zu sein, aber diesmal warte ich nicht. Auch wenn das ein Traum sein sollte, denke ich, bin ich hellwach. Erinnere dich: Was hat es mit diesem Studierzimmer auf sich?
Was sind das da zwischen den Bücherregalen für Objekte? Was bedeuten sie?
Das Wappen der Royalisten.
Der historische Säbel.
Die Maske.
Die Daguerreotypie.
Und fünftens, vis-a-vis an der Wand überm Sofa, das alte Gemälde.
Jetzt weiss ich’s wieder – das Gegenbild-Prinzip!
Diese fünf Objekte sind Schleusen. Sie bringen mich, wenn ich sie auf richtige Weise sehe, an meine alten Rückzugsorte, in die Refugien. Dort befinden sich die Gegenbilder dieser Objekte, und durch sie gelange ich – auch wieder das richtige Schauen vorausgesetzt – von dort hierher zurück. Fünf Refugien, heisst das, sind in diesem Raum enthalten, und dieser Raum selbst, das erkannte ich damals, stellt ebenfalls ein Refugium dar.

Das Gemälde – 16. Jahrhundert, schätze ich – zeigt die Kreuzigung Christi. Später Abend, Gewitterstimmung; rätselhaft, was dem verfinsterten Himmel diese enorme Höhe und Tiefe verleiht. Unten im Dunkel die Figuren, wie sie auf zahllosen Darstellungen der Golgatha-Szene zu sehen sind: Soldaten, Priester, Klagende und Gaffer, alle klar umrissen und doch nur Schattengestalten. Und sehr klein eigentlich in der ganzen Düsternis, doch leuchtend – genau aus der Mitte zwischen Himmel und Erde herausleuchtend –: der nackte Leib des Gekreuzigten.
Da hindurch bin ich damals in eine Dachkammer geraten, in das Refugium „Mansarde“.
Durch die Daguerreotypie, welche den berühmten Sioux-Häuptling Sitting Bull zeigt, bin ich in ein Apartment am Meer gelangt: Refugium „Gran Puertito“.
Die Maske, die immer wieder andere Gesichter zeigt – offenbar ein magisches Objekt –, versetzte mich in ein mit interessantem Kram gefülltes Haus in Frankreich: Refugium „Kunst-Ruine“.
Der altertümliche Säbel brachte mich in eine Hafenstadt in tropischen Gefilden: ins „Hotel Olymp“.
Durch das fünfte Ding schliesslich, das Wappen der Royalisten, landete ich in einer Berglandschaft, wo das Refugium aus einem hübschen Holzhäuschen bestand, der „Haiku-Klause“.

Diesmal nehme ich nicht in dem Sessel Platz, sondern am Schreibtisch. Da steht sie, die alte Reiseschreibmaschine, und auch jetzt erinnert sie mich sofort wieder an alte Zeiten – an Jamaika, wo ich auf genau so einer Maschine herumgehämmert habe – oder auf derselben? – Ach, war das ein Vergnügen, immerzu bis tief in die Nacht, tick-tick-tick, in die Ozeanbrandung zu hämmern! – Ach schweig, verdammte Nostalgie!
Als ich damals durch die fünf Objekte hindurch in meine alten Refugien hineinschaute, stand dort in jedem, wie im Zentrum, so ein Schreibgerät mechanischer Art – noch nicht vernetzt, heisst das, noch fern vom Netz; noch nicht, wie es damals hiess, „am Draht“. Auch dies Detail, scheint mir, ist von Bedeutung.
Ich prüfe die Stimmung. Sie ist ganz ähnlich der, an die ich mich erinnere: friedvoll, gemütlich, in Ordnung. Nur dass ich jetzt vor Müdigkeit nicht wie betäubt bin; und dass ich weiss, was hier damals vor sich ging: dass ich die Entstehung eines neuen Refugiums erlebte.
Ausser einer Schreibmaschine gibt’s in jedem Refugium auch einen Spiegel, prinzipiell, und es brauchte damals eine Weile, bis ich entdeckte, was hier die Funktion des Spiegels erfüllt, nämlich die Maske. Dieses unheimliche Ding, das sich andauernd verändert … Ein interessantes Requisit, das, so denke ich, sicherlich noch Überraschungen zu bieten hat.
Neben der Schreibmaschine ein Stapel beschriebenes Papier, beschwert von einem Aschenbecher aus dunklem Speckstein. – Der Aschenbecher, der ebenfalls in keinem der Refugien fehlt: Hinweis auf das Klischee des qualmenden Schriftstellers. Ein Denkmal. Hier in Form einer schlichten ovalen Schale, die ich eigentlich nur deshalb als Aschenbecher klassifiziere, weil eine halb gerauchte Zigarre darin liegt. – Noch derselbe Stumpen? Sieht so aus. Nur dass der damals noch gequalmt haben musste, kurz bevor ich hier eintrat, denn es hing noch ein Rauchschleier im Raum und ein Zigarrenduft. Davon ging der erste Eindruck aus, den ich bei meinem damaligen Eintritt hatte, und der die ganze Atmosphäre weiterhin bestimmte: dass eben noch jemand hier gewesen war.
Ich versuche mir diesen speziellen Geruch zu vergegenwärtigen; erinnere mich, dass er mir vage bekannt vorgekommen war. Süßlich-erdig, eindeutig aber nicht der Duft einer normalen, einer kubanischen Zigarre zum Beispiel …
Und jetzt hab ich’s: Mapacho. Dschungelkraut. Der „starke Tobak“ der Schamanen Südamerikas.
Ich kenne nur einen, der sowas raucht: Forty Operas.
Damit wird die Sache schon klarer. Forty O. ist ein Multi-Dimensional Operator, ein MDO, und nur einem solchen ist es überhaupt möglich, sich auch auf einer Ebene wie dieser herumzutreiben. Und daraus ist zu schliessen, dass damals er es war, Forty Operas höchstpersönlich, der mir dieses neue Refugium eingerichtet hat.

Ich habe es bis jetzt vermieden, meinen Blick auf das in die Schreibmaschine eingespannte Blatt zu werfen. Ein Gefühl sagt mir, dass es in diesem Refugium darauf ankommt, mich zu beherrschen; weil es genau das war, woran es mir in den fünf früheren Refugien fehlte: Selbstbeherrschung.
Diese Neugier zu zügeln war mir damals immerhin auch gelungen. Obwohl mich extrem interessierte, was auf diesem eingespannten Blatt wohl stehen mochte, hatte ich mich damit begnügt, nur der anderen großen Versuchung nachzugeben, nämlich mich auf dem Sofa erstmal auszuschlafen.
Ich wachte dann im Dunkeln auf, in einer Koje, auf einem Schiff, bei heftigem Sturm … Und war dann lange wach; ging in Babaal von Bord, auf der Insel Andria, und machte ein paar sehr merkwürdige Erfahrungen. Bis mich die Begegnung mit einer leibhaftigen Löwin zum Ausweichen zwang und ich dadurch in so ein labyrinthisches Bauwerk geriet, ins Telesterion, und dann von dort aus hier herein, wieder an den Anfang, gewaltig ermüdet von diesem paradoxen Überholmanöver in der Zeit. Eine Traumgeschichte eigentlich; nur dass ich sie nicht träumte …

Das Blatt steckt so in der Maschine, dass nur höchstens zwei oder drei Zeilen darauf getippt sein könnten. Schau nicht hin, sage ich mir, du wirst enttäuscht sein, höchstwahrscheinlich steht da nämlich – noch gar nichts.
Ich wende mich dem Stoß Papier zu, dem Manuskript. Das von mir stammt, wie ich vermute. In dem vielleicht zu lesen ist, was ich wissen muss; zum Beispiel von woher ich diesmal hier herein gekommen bin.
Ich stelle die Specksteinschale, die zur Beschwerung dieses Stapels loser Blätter dient, beiseite, mit kurzem Frageblick auf den Zigarrenrest – wohin mit dir? –, bevor dann doch mein Auge zufällig erfasst, dass auf dem eingespannten Blatt nicht nichts steht, sondern zu meiner Überraschung tatsächlich etwas:
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Der Autor

Matthias Scheel, geboren 1961 in Ostwestfalen, lebt seit 1999 in Freiburg im Breisgau

Werdegang:

  • Waldorfschüler
  • Kriegsdienstverweigerer
  • Bergsteiger
  • Student
  • Tierschutz-Aktivist
  • Möbelpacker
  • Handlanger beim Film
  • Paketzusteller
  • Schriftsteller
  • Kellner
  • Nachtportier
  • Touristenführer
  • Chauffeur
  • Schüler der Snowlion School
  • Seit 2004 Massage-Therapeut

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Wer mich kontaktieren möchte, sende mir eine E-Mail mit dem Vermerk 'Schells Bureau' an: matthias.scheel[at]posteo.de