B.11

Seltsamen

Wie seltsam das gewesen war, hinter mir Ingrun auf dem Rücksitz zu haben … Die Fahrt war in völligem Schweigen verlaufen, und ohne Musik, und das Ziel war ein großes Apartment-Gebäude gewesen, in einer ruhigen, recht teuren Wohngegend. Sie hiess mich dort in die Tiefgarage fahren, dirigierte mich auf einen bestimmten Stellplatz und fuhr mit mir den Aufzug in die vierte Etage hinauf; und noch immer schwiegen wir uns an.

Das Apartment, in das sie mich führte, gehöre ihr schon lange, erklärte sie. Mahmoud habe eine Zeitlang hier gewohnt. „Bevor er bei mir eingezogen ist. Du weisst ja wohl, dass Mahmoud und ich …“ Worauf ich nur ungeduldig nickte. „Zur Sache, Ingrun. Was soll das Ganze?“

„Ausser mir kennt nur Mahmoud diese Wohnung, und jetzt noch du. Denn bei Manne auf der Tankstelle bist du nicht mehr sicher, und falls du dich dringend mal verziehen musst, hast du nun diese Schlüssel hier … Dieser ist für die Wohnung und dieser für Haustür und Tiefgarage. Der kleine ist für den Briefkasten und dieser vierte hier für einen Raum im Keller. Der anhand der Numerierung leicht zu finden ist; wo in Pappkartons der Kram lagert, den du, als wir uns damals trennten, bei mir zurückgelassen hast.“

„Ach“, sagte ich und nahm den kleinen Schlüsselbund in Empfang, „dann waren also meine Sachen tatsächlich bei Mahmoud. Nur dass der von diesem Kellerraum nichts wusste.“ „Dass ich den ihm gegenüber erwähnte, bin ich mir sicher; und er hatte ja den Schlüssel … Hat aber immer soviel anderes im Kopf, der Gute.“

„Ich brauch den alten Kram inzwischen sowieso nicht mehr. Aber trotzdem Danke, Ingrun. Für diese Schlüssel. Dein Vertrauen. Dass du dir Sorgen um mich machst. Wenn ich mir auch nicht vorstellen kann …“ Sie winkte ab, sagte: „Da kommt was auf uns zu, genaues wissen wir noch nicht. Ein Virus. Der wird dies ganze Level fressen. Uns bleibt kaum noch Zeit.“ „Soll ich dazu, äh, irgendwie was sagen?“

„Wir sind vier Dreier-Teams auf diesem Level, und nur wenn wir zusammenarbeiten, ist die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, zu lösen. Leider sind von den vier Teams aber nur zwei stabil. Das eine besteht aus Iris, Maja und mir –“ „Maja? Maja Maier? Alias Frau Doktor?“ „Ja. Und Iris kennst du auch: die Psychologin, die dich zu Frau Doktor geschickt hat.“

„So habt ihr alles eingefädelt …“ Klar, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskam.

Das andere stabile Team, laut Ingrun, bestand aus Nolte, Trisha und Gino. Gottfried Nolte, klar, den kannte ich, doch die anderen beiden – „Gino? Trisha?“ „Gino bist du sicher noch nicht begegnet. Aber Trisha – Patricia Percival –, du hast sie mal im Taxi gehabt. Durch sie bist du an die Azuma-Statuette gekommen.“ „Verstehe.“ Die Amerikanerin, die damals in meinem Taxi jenen Briefumschlag auf dem Rücksitz „gefunden“ hatte, mit dem Schlüssel darin, für das Bahnhofsschliessfach …

Das dritte Team, erfuhr ich, bestehend aus Uschi, Lady Rainbow und Beppo, war schon seit Jahren durch Beppos Autismus wie lahmgelegt. „Fraglich, ob der wirklich Autist ist“, sagte Ingrun. „Kann auch sein, dass er nur simuliert. Oder unter einer Art Bannzauber steht. Wie’s aussieht, stehen jetzt die Chancen aber gut, ihn rechtzeitig noch da herauszuholen. Woran wir tatsächlich scheitern werden, ist das vierte Team: ist Sciffi, ist Manne, bist du, Schell. Wir alle, das heisst wir zwölf, scheitern, weil wir eine Einheit sind und nur als Einheit weiterkämen, und weil ihr drei das leider vergessen habt. Und was hat euch so vergesslich gemacht? Die Drogen. Und daran zu scheitern letztenendes, an so einer blöden kleinen Molekülverbindung namens THC, ist wirklich deprimierend.“ „Da muss ich doch entschieden protestieren!“

„Okay – Manne und Sciffi, die jedenfalls konnten nicht rechtzeitig davon lassen. Aber wovon du nicht lassen kannst, ist um keinen Deut besser: deine Selbstbezogenheit. Sie hat dich total verblendet, Schell, und ist so verdammt zäh, dass sie auch dich alles hat vergessen lassen. Sodass du mir nicht glaubst, kein Wort, auch jetzt nicht, das merke ich sehr wohl.“ „Stimmt. Aber wie es aussieht, gibst du dir reichlich Mühe mit mir – und ja nicht nur du – und das macht mich natürlich nachdenklich. Sagen wir also, ich setze zur Abwechslung mal den Unglauben aus – wie sollte idealerweise denn die Sache laufen?“

„Das lässt sich nur symbolisch sagen. Es hat mit dem König zu tun. Der sein Gedächtnis verloren hat. Und sehr krank ist deswegen. Und geheilt werden muss.“ „Du meinst, wie in der Sage vom Gral? Mit König ist der Hüter des Heiligen Grals gemeint?“ „Es ist immer dieselbe Geschichte. Nur sieht sie immer anders aus; so anders jedesmal, dass man sie nicht erkennt, oder zumindest nur unter Schwierigkeiten.“

„Schwierigkeiten, die man zu meistern hat, verstehe – um die Geschichte, die eigentliche, wiederzuerkennen. Worin der Sinn der Sache liegt.“ „Du selbst, Schell, müsstest über diese Geschichte im Grunde am meisten wissen. Nicht zufällig ist dir das entsprechende Zeichen zugespielt worden. Übrigens unter einigem Aufwand – frag nur Trisha danach, falls du sie mal triffst.“

Ich dachte an die kleine Plastikfigur im Handschuhfach des Taxis und seufzte. „Der Instinkt sagt mir, dass dieser ominöse König Azuma mich nur ablenken soll. So wie das ganze Spiel, von dem dauernd die Rede ist, Flysh, mir wie ein einziges Ablenkungsmanöver vorkommt. Doch wovon es mich ablenkt? Keine Ahnung.“

„Und spielt auf diesem Level auch sicher keine Rolle mehr. Hier, wie gesagt, sind wir so gut wie fertig. Wusstest du, dass du nicht mal mehr ein Team hast? Sciffi ist nämlich inzwischen bei euch raus; ist jetzt ein Team mit Habib und dem IT.“

Da glotzte ich. Der Computer-Nerd, der Berufskriminelle und der dauerbekiffte Magier: ein Team! Und Ingrun nickte. „Kannst dir wohl denken, wie weit das, was die in diesem Spiel verzapfen, von dem wegführt, was wir erstreben.“ „Kann ich mir denken, ja. Wenn das so eine Gralsgeschichte ist.“

Ich überlegte. Sciffi also hat sich von uns losgesagt, das heisst jetzt sind wir nur noch elf … „Könnte Mahmoud nicht an Sciffis Stelle treten? Mit ihm im Team, das wäre schön!“ Da musste Ingrun lächeln. „Ist irgendwie entwaffnend, dass dir der Ernst der Lage noch so gar nicht klar ist.“

Ich saß, wie so oft, im Lesesaal einer der größten Bibliotheken Frankfurts; an diesem Nachmittag aber nicht, um zu lesen – auch wenn ich ein Buch aufgeschlagen vor mir liegen hatte –, sondern um in Ruhe nachzudenken; und das aufgeschlagene Buch war diesmal auch nicht, wie sonst in letzter Zeit, ein Band aus der Gesamtausgabe Schellings, sondern eine Sammlung von Briefen Hölderlins. Mein Blick, während ich mich konzentrierte, ging da weniger hinein, als vielmehr da hindurch, das heisst ich sah die Zeilen kaum; stattdessen blickte ich zurück.

Obwohl so unwahrscheinlich war, was Ingrun mit erzählt hatte, beschloss ich ihr zu glauben. Denn so ergab ja plötzlich alles einen Sinn. Und ich sagte mir: Sobald ich nicht mehr vergesse, dass ich mich ja dauernd irre, wird mir vielleicht auch das, was ich davon immernoch nicht glauben kann, allmählich glaubhaft werden. Im übrigen war das ja nicht das einzig Seltsame in jüngster Zeit gewesen …

Zum Beispiel traf ich neuerdings beim Joggen dauernd dieselbe Joggerin; was nichts besonderes wäre, würde ich immer zur selben Tageszeit dieselbe Strecke laufen. Doch traf ich sie auf jeder Strecke und egal, wann ich lief. Und vage kam sie mir auch irgendwie bekannt vor. Bis es zuletzt dazu gekommen war, dass sie mich beim Joggen überholte und dabei zu mir sagte: „Du hast keine Zeit mehr zu verlieren.“ War das ein Scherz? „Was meinst du?“, fragte ich, und sie: „Dass du wirklich demnächst los musst!“ Nachdem Ingrun sie erwähnte, Iris nämlich, wusste ich plötzlich, wie und wo ich diese Joggerin schon mal gesehen hatte: als jene Psychotherapeutin, die mich damals zu Frau Doktor schickte!

Dass ich wirklich demnächst los muss … Konnte sich ja wohl nur auf das beziehen, was ich nun schon so lange vor mir her schob: den vielbesagten Urlaub.

Dass mir wahrscheinlich eine Reise gut tun würde, sah ich ein; doch wohin verreisen, wusste ich noch immer nicht. Wenn ich manchmal in Buchhandlungen vor den Regalen voller Reiseführer stand, fand ich so ziemlich alles interessant. Sobald ich allerdings in einem davon zu blättern begann, verliess mich jegliches Interesse. Oder in Reisebüros: in dem Geprassel bunter Angebote verging mir alle Reiselust schlagartig. Im übrigen war ich bisher auch in der Frage, welche Lektüre zu dieser Reise die geeignete sei, noch zu keinem Ergebnis gekommen. Und was lag diesem Pseudoproblem tatsächlich zu Grunde? Dass ich einfach nicht Tourist sein wollte. Dass ich der Ansicht war, die Welt, so wie sie ist, liess gar nicht mehr das zu, was ich mir unter Reisen vorstellte.

Wenn ich im Geiste auf der Suche nach einem Urlaubsort irgendwelche Landstriche, Küsten oder Flussgebiete überblickte, geriet ich immer wieder an gewisse Stellen, die sich seltsam wiederholten. Da war zum Beispiel diese schmale kurvige Straße in die Berge hinauf, stets bei Sonnenschein, mit Ausblick auf ein Meer, und jedesmal war ich überrascht von dem Duft, den leuchtenden Farben, der Frische der Luft. Auf dem Balkan, keine Ahnung, wo genau; und die kleine Stadt, in der ich jedesmal aus einem alten Autobus stieg, war immer dieselbe, bekannt als Markt für Edelsteine und für die Schönheit ihrer Frauen. Ich allerdings kam wegen spezieller Höhlen, die es angeblich in dieser Gegend gäbe.

Am häufigsten geriet ich jedoch an diesen anderen Ort, auch irgendwo im Süden: Stets in der Hitze einer betäubenden Mittagssonne, zwischen zerstörtem Gemäuer; wo ich mich jedesmal über schiefe uralte Pflastersteine zu einem schon lange, lange ausgetrockneten Brunnen schleppte; dort verharrte; die Eidechsen beobachtete; und das Gefühl eines fürchterlichen Elends um mich spürte. Manchmal hörte ich etwas wie erstickte Schreie, doch das, wie ich mir sagte, konnte nur Einbildung sein.

Wahrlich war das kein angenehmer Ort, und also warum landete ich im Geiste – fast schon wie in einer Endlosschleife – immer wieder dort? Jedesmal aber, bevor sich eine Antwort darauf fand, war ich schon wieder raus aus diesem Bild; und das war typisch für alle diese Orte, an die es mich imaginär verschlug: sie entzogen sich, wie Traumbilder, meiner Kontrolle.

Und mindestens so merkwürdig, so verstörend seltsam, war es neulich gewesen, in einer Zeitschrift ein Bild von mir zu entdecken; nämlich in einem Spiele-Magazin, auf einem ganzseitigen Foto, einer Werbung für einen sogenannten Re-Run, die Neuauflage eines alten Computerspiels:

AZUMA MAROONED – das legendäre Abenteuer: vollständig rekonstruiert – in neuem Style – auf deinem Phone!

Konnte der auf diesem Foto wirklich ich sein? Nein! Aber ich war’s; erkannte mich fast überdeutlich klar: in einem orientalischen Kaffeehaus, im Gespräch mit einer gesichtslosen, schwarz gewandeten Gestalt. Und meiner Verblüffung folgte die Empörung: Mich einfach in eine Werbung zu versetzen, ungefragt, das kann man doch nicht machen! – Doch, kann man; und meiner Empörung folgte ein gehöriger Schub Paranoia. Und wie da mein Herz mal wieder losgeklopft hatte!

Jedenfalls verliefen alle diese seltsamen Vorkommnisse nach einem Muster: was zumeist recht amüsant begann, schlug jedesmal ins Bedrohliche um. Wie auch gestern Abend, als ich an einem Taxistand am Bahnhof vor mich hindösend im Wagen saß. Da hatte ich plötzlich so eine Urstadt vor Augen, Uruk zum Beispiel, oder Ninive, und die verwandelte sich wie in Kaskaden epochaler Überblendungen in die nächtliche Szenerie einer Mega-City der Zukunft. Ich sah Leute mit Rüsseln, mit gepanzerten Schädeln, mit Stacheln und Schwänzen, und andere mit Lichtkörpern, nahezu durchsichtig und mit flügelartigen Schultern; staunte sehr, und als da auch eine pralle Sexblüte vorbeitrieb, dachte ich nur: Aha, auch hier treiben pralle Sexblüten vorbei … „Muss irgendwo sein“, sagte da jemand hinter mir; ein Mann; hatte gar nicht bemerkt, wie er eingestiegen war. Er kramte in einem Aktenköfferchen. „Ich will Sie nicht mit Kartenzahlung nerven, habe Geld dabei, Bargeld … Nur etwas Geduld, bitte. Nach schon wieder so einem Tag bin ich jetzt, äh …“ „Ein bisschen zerstreut?“ „Was? Jaja … Sie haben ja keine Ahnung, was wirklich läuft, sonst säßen Sie nicht mehr gemütlich … Ach was, seien Sie froh, so hier im Stillen sitzen zu dürfen und einfach nur mitfühlend meinen Schwachsinn zu ertragen.“

„Sind Sie Schriftsteller?“

„Statistiker. Beim Großen Discounter. Kenne die Kosten der billigen Preise bis ins kleinste Detail. Wenn der letzte Fisch gefangen, der letzte Baum gefällt ist und so weiter, Sie wissen schon – was uns dieser Indianerhäuptling damals schon klarzumachen versuchte: dann werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann. Wissen Sie, wie blöd man sich mit derartig alten Neuigkeiten vorkommt?“ „Ja, saublöd. Und Bits kann man übrigens auch nicht essen.“ „Aber so unfassbar blöd wir auch sind, das System funktioniert.“

„Ich fahre Sie irgendwohin und Sie bezahlen, okay?“

„Warten Sie. Ich könnte gerade eine Bombe deponiert haben, zum Beispiel in diesem Alien-Shop da drüben.“ „Etwa um sich vor dem Bezahlen zu drücken? Steigen Sie aus, Mann!“

„Sie haben hier und jetzt die Chance, viele Menschenleben zu retten. Verstehen Sie?“ Er hielt sein Handy in die Höhe: „Hiermit kann ich die Bombe zünden. Und Sie, der unscheinbare Taxifahrer, können über Nacht zu einem Helden der Humanität werden, indem Sie mich mit einem überzeugenden Argument – nur einem einzigen! – daran hindern.“ „Belabern Sie jemand anderen – raus jetzt!“ „Es ist zu unwahrscheinlich, meinen Sie, dass –?“ „Ich meine: Raus aus meiner Karre!“

Genug.

Ich versuchte in dem Buch zu lesen, das hier aufgeschlagen vor mit lag – die Briefe Hölderlins – doch wieder ging mein Blick wie durchs Papier hindurch; hatte da, gestochen scharf, Frau Doktor vor mir, und ich staunte, mit welch hoher Energie ich projizierte – das grenzte schon an echten Blickkontakt! – Und sah jetzt mich. Durch ihre Augen. Im Strafraum. Vor ihr auf den Knien. Nackt. Diesmal aber ganz anders als sonst.

Während die Sitzung zuvor noch eher wie üblich verlaufen war … Erst jetzt, hier in der Bibliothek sitzend, rückblickend, bemerkte ich, dass sich aber schon in dieser vorletzten Sitzung etwas verändert hatte. Wie ich mich nämlich so sah, ihr gegenüber, durch ihre Augen, und mich reden hörte, da fing ich erst so richtig an, meine Geschwätzigkeit zu hassen:

„Wir haben inzwischen ja durchschaut, was mein Gerede eigentlich verschlüsselt: Scham. Dass sich für den Schamhaften gerade im Beschämendsten, im Allerpeinlichsten, eine besondere Wonne verbirgt. Das skandalöse Geheimnis des absoluten Nur-für-mich. Der Ego-Kick schlechthin. Der enthüllte Kern der Scham. Das Schamlose selbst. Woran der Schamhafte sein schamloses Selbst entdeckt. Nur eine Fiktion natürlich, ein fiktiver Fetisch; jedoch genauso magisch aufgeladen wie ein echter Fetisch, und mindestens genauso wirksam, genauso unwiderstehlich. Sodass der Schamhafte, süchtig nach dem Schamgefühl, willentlich es wieder und wieder in sich auslöst. Wobei allerdings nicht zu übersehen ist, dass der banale Gehalt der Sache nur deshalb unbedingt im Dunkeln bleiben muss, weil er so dermaßen banal ist; stellt doch dieser banale Gehalt mein Selbstbild, ja die ganze absolute Wichtigkeit meiner Person in Frage. Mich zu zwingen, dieser meiner Banalität mich auszusetzen, sie zu belichten sozusagen, das wäre mir ohne Sie, Frau Doktor –“

„So reichlich Sie Ihr Selbstbild vor uns ausgebreitet haben, reicht’s nun, denke ich. Haben Sie je erwogen, dass es nur ein Bild ist?“

„Mein Selbstbild? Ein Bild, ja – natürlich!“

„Und dass dieses Bild für jemand anderen als Sie gar keine Realität hat?“

„Ist möglich, ja.“

„Ihr Selbstbild könnte also nur für Sie real sein?“

„Wie gesagt …“

„Hätte ohne Sie überhaupt keine Realität?“

„Was denn? Ich sage doch: ist möglich.“

„Die Frage ist die: Halten Sie das wirklich für möglich?“

„Verstehe.“ Was gab’s da zu verstehen? Irritiert, genervt, nahm ich rasch Zuflucht zum Banalen: „Die Scham, sie funktioniert natürlich nur, solange man dasselbe wie die Allgemeinheit als Tabu empfindet. Äh – okay? Soll ich sagen, wie ich mich fühle? Wie wenn sich das Besondere im Allgemeinen oder umgekehrt das Allgemeine im Besonderen wiederfindet. Ah, Sie schauen auf die Uhr. Bin ins Schwafeln geraten – dann schreiten Sie umgehend zur Bestrafung bitte!“ „Sie kommen heute mal wieder ohne Strafe davon.“ „O bitte!“ Sie tippte auf ihre Uhr: „Lohnt nicht mehr.“

Wie gereizt ich gewesen war nach dieser Sitzung, kann man sich denken; trotzdem hatte ich gleich schon – ich war ja süchtig – den nächsten Termin ausgemacht. Und dann allmählich begriff ich, dass ich ihre Frage gar nicht verstanden hatte. Hielt ich es wirklich für möglich, dass für jemand anderen mein Selbstbild gar nichts reales ist? Das heisst: ist das möglich? Dass mich andere gar nicht so sehen wie ich mich selbst? Eigentlich, je genauer, je ehrlicher ich’s bedachte, hielt ich es nicht für möglich. Und zugleich mit diesem Eingeständnis ging meinem Selbstbild schon einiges an Realität verloren.

Man gleicht sich im Laufe der Zeit seinem Selbstbild an, dachte ich, und irgendwann schafft man es, damit übereinzustimmen; und ohne es überhaupt mitzukriegen, ist man plötzlich dann damit identisch: ist souverän man selbst – und klar, wie kommt man da wieder heraus? Unmöglich. Man weiss ja gar nicht, dass man drinsteckt. Das nennt man: in der Falle sitzen. Daher musste es ja dann beim nächsten Mal so ganz anders laufen als bisher:

Ich musste mir die Bestrafung gar nicht erst durch eine komplizierte Beichte im Sprechzimmer verdienen, Frau Doktor fragte nur: „Erinnern Sie sich noch an Ihr Problem, Samsa?“ „Impotenz? Oder nein, Sie meinen wahrscheinlich diese Mixtur aus konträren Gefühlen: Minderwertigkeit und Hochmut. Die sich gegenseitig bedingen.“ „Und meinen Sie immernoch, diese Mixtur sei etwas besonderes?“ „Sie meinen: lächerlich, sich darauf etwas einzubilden?“ „Ermüdend. Das immer wieder aufzuwärmen. Und ja, lächerlich auch, solche Nabelschau für Psychologie zu halten. Kommen Sie, gehen wir rüber.“

Zwar durfte ich niederknien, in gewohnter Weise nackt und angekettet, zum erstenmal aber ohne die Augenbinde. Und diesmal zog auch sie sich aus.

Ich starrte ihre Brüste an; konnte den Blick gar nicht mehr davon lösen; dachte zweimal, dreimal, viermal: Die kenne ich! Wie aber kann das sein? Nur einmal in meinem Leben hatte ich Brüste skurril gefunden, und zwar genau diese: seltsam länglich und aufwärts geschwungen, wie weisse Hörner, deren Enden aus sehr großen glatten Höfen sich zu glänzendem Rosa spitzten … Woher? Woher nur kenne ich die? Wie Hörner …

Zunächst, wie üblich, versuchte ich zu rationalisieren: Brüste wie diese kommen doch immer wieder vor, sicher hast du auch mit solchen irgendwo, irgendwann einmal herumgemacht … Doch hatte ich nicht mehrmals schon Anflüge des Gefühls gehabt, sie zu kennen, diese Frau? Gar nicht als Frau Doktor, sondern von viel früher her, in einer anderen Rolle …

„Was starren Sie so, Samsa? Sind doch nur Titten!“

Wie absurd das klang … Ich sagte mir: Du schläfst. Wach auf! „Hab neulich was geträumt …“ Und da wurde mir schwindelig.

Was erkannt werden wollte, liess sich nun nicht länger abhalten. In jenem Traum, in dem ich mich in sie – nein, nicht in Frau Doktor, vielmehr in diese Frau verwandelt hatte, da spürte ich mich ganz und gar in dieser Form, nicht irgendwie nur allgemein, sondern konkret in jeder Faser, und eben auch, und das unter dem nassen Hemd besonders intensiv, in diesen Hörnern; ich hatte sie, fühlte sie an mir selbst, sie gehörten mir an.

Und da entsann ich mich der Höllenangst, die ich nach jenem Traum gehabt hatte. Als ich da nämlich hinausglitt, kurz bevor ich richtig wach wurde, erkannte ich, mit was für Mächten ich’s zu tun hatte; nicht mit den guten nämlich, sondern mit den bösen; mit dreien, genau genommen, die insbesondere zu fürchten sind.

Den einen Dunklen – der so hell erscheint, den Blender – kennen alle: den Gefallenen, Luzifer genannt. Sein Gegenspieler, der andere Dunkle – der superintelligente Lügner, den ich den Technus nenne –, ist weniger bekannt. Diese beiden kenne ich, das heisst erkenne, wie sie auf mich wirken; was in Bezug zum dritten Dunklen – zu den Aggatt – so leider nicht der Fall ist.

Und jener Traum, so wurde mir jetzt klar, ist eine Warnung vor den Aggatt gewesen.

War mir das Fest, der Potlatch, nicht wie ein Treffen mit meinem Stamm vorgekommen? Und gehörten die Frauen in dem Caravan, mit denen ich vor der Sturmflut davongerast war, nicht auch dazu? Und da ich diese Frauen als Aggatt erkannte, waren dann also die Aggatt – mein Stamm? Ich also – eine Aggatt?

Derselbe Schrecken durchfuhr mich erneut.

Die Aggatt sind eine kosmische Rasse von Kriegerinnen; nur stelle man sie sich bloß nicht nach unseren Klischees der Raumfahrt vor, dann wären sie tatsächlich amüsant; höchstens könnten sie einem ein wenig das Gruseln lehren. Auch ich hatte keine Angst vor ihnen, solange ich nicht wusste, wie und was sie wirklich sind; solange sie mir nämlich nur in ihrer Schund-Version begegneten, so wie in einer Weltraum-Operette. Denn solange wirkten sie nur ausgedacht. Seit ich sie aber in mir weiss, durch mich wirkend, ist das anders. Ich weiss sie im Unbewussten verborgen. Sie bedienen sich der Willenskraft und nehmen mit Vorliebe die Gestalt ihres Gegners an. Wer oder was ist ihr Gegner? Was ich in mir sagt.

Die Angst, von ihnen auf grausamste Weise vernichtet zu werden, ist alles andere als unbegründet. Manche aus dieser Angst heraus, manch andere, weil diese Lebensform sie so begeistert, verbünden sich mit ihnen, werden selbst zu Aggatt; während die meisten aber, wie ich hoffe, von ihnen nie im Leben etwas mitbekommen.

Hier jedenfalls, das war mir in diesem Moment – nackt und gefesselt auf den Knien – sowas von klar, hatte ich die Entscheidung zu treffen: Den Aggatt widerstehen, jetzt!, oder fortan als Aggatt weiter, von Rausch zu Rausch, unsterblich in ewiger Nacht, immer in Wut, in Krieg und Ekstase, um wo immer wir auf Freundlichkeit stoßen, auf Treue, oder auf Glauben, auf Hoffnung – oder auf die für Aggatt tödlichste Bedrohung: Liebe –, sie zu zerstören.

Sie hatte breitbeinig über mir gestanden; jetzt ging sie vor mir in die Hocke. „He, Samsa, Sie sind ja kreideweiss. Machen Sie etwa schlapp?“ Ich erinnerte mich, darauf erwidert zu haben: „Ich glaube, ich will jetzt nicht mehr Samsa sein.“ „Dann brauche ich auch nicht länger Frau Doktor zu spielen …“ Jetzt lächelte sie. „Aber im Ernst, du siehst wirklich fix und fertig aus. Würde sagen, da hilft jetzt nur noch echte Medizin, und zwar die allerälteste, die Urwaldmedizin.“

Sie löste mir die Fesseln an den Handgelenken und ich dachte: Was ich von wegen des Heroischen neulich zu ihr sagte, war ernst gemeint: Dass ich den Kampf gegen meine Verkorkstheit nicht aufgeben werde; dass ich dieses Peinliche, Schmerzhafte, nicht einfach da in mir gewähren lasse. Denn so leicht es sich auch bagatellisieren lässt, es ist böse, und ich werde es in mir nicht akzeptieren, niemals.

So hatte ich entschieden.

Wir legten unsere Kleidung wieder an. Dann setzte sich Frau Doktor auf den Boden, mit einem Kissen im Rücken an die Wand gelehnt und den Rock soweit hochgeschoben, dass sie ihre angewinkelten Knie auseinanderspreizen konnte. Sie deutete dicht vor sich auf den Boden: „Hierhin, und mit dem Rücken zu mir.“ Ich fragte mich besorgt: Urwaldmedizin?, tat jedoch wie mir geheissen. „Und jetzt lehnst du dich an mich an.“

Sehr aufrecht, sehr steif, lehnte ich mich vorsichtig zurück.

„Bitte richtig, okay? Lass los. Und halte auch bitte nicht weiter die Luft an.“

Kurzum, es dauerte einige Zeit, bis ich mich entkrampfte, mich an sie wirklich anlehnte, oder genauer: in sie einsank; so nämlich fühlte es sich an, als mir das Loslassen schliesslich gelang.

Im ersten Moment hielt ich das, wo ich mich wiederfand, als ich die Augen schloß, für den Denkraum. Der glich nun aber gar nicht mehr dem Spiegelkabinett, dem also, was mir als der Tautoloid vertraut war. Nicht verlor sich, was ich dachte, nach allen Seiten ins endlos immer Fernere. Stattdessen kam von allen Seiten, auch von unten und von oben, etwas immer näher auf mich zu, und das war nicht dieselbe Stille, die ich hier schon des öfteren erfahren hatte. Still war sie zwar auch, sprachlos, unbegrifflich, doch vor allem war sie Farbe, nämlich grün. Und da erst fiel mir auf, dass es zuvor zwischen den Spiegeln immer völlig farblos zugegangen war; es hatte im Tautoloid also gar kein natürliches Licht gegeben! – Ja wie auch? Du hast ja nicht nur die Gedanken, auch diesen Ort hier, den Ort ihres Entstehens, für eine bloße Abstraktion gehalten, für im Grunde irreal; und wie sollte Sonnenlicht in so ein Jenseits dringen?

Schwer zu beschreiben dieser Farbton, der mich jetzt hier umgab; ähnlich einem Waldrand im Sommer, abends, in rotgoldnem Grün. Und da dachte ich an meine Regenbogen-Dame …

Die ersten Besuche zum Tee bei Lady Rainbow hatte ich rein höflichkeitshalber absolviert, dann aber sehr bald deren beruhigende Wirkung zu schätzen gelernt; bis mir schliesslich jede Tea Time mit ihr zu etwas besonderem geworden war.

Die Lady war in ihren Äusserungen sparsam, und bei allem, was sie aussprach, fiel mir ein leiser poetischer Beiklang auf, der auch das scheinbar Nebensächlichste irgendwie aus dem Alltäglichen heraushob. Ich hatte sie zum Beispiel in der Küche einmal „Alufolie“ sagen hören, und dieses Wort klang aus ihrem Mund so neu, so fragend, dass ich erstmal gar nicht wusste, was es hiess, und dann verstand, dass sie Silberpapier meinte.

Sie wirkte immer so heiter und dabei so nüchtern, so unsentimental, so unbelastet von Persönlichem, sodass ich mich fragte, woher das wohl kam. Aus der Zukunft, stellte ich mir vor; aus einer Zukunft, in der allgemein bekannt sein wird, dass so wie alle Materie eigentlich Licht ist, alles Seelische eigentlich aus Liebe besteht. Ich hatte sie nämlich am Anfang mal gefragt, was sie beruflich denn so mache, und ihre Antwort war gewesen, sie arbeite als Heilerin; und als ich weiterfragte, wie das praktisch aussähe, sagte sie nur: „Geistig.“ „Wie stell ich mir das vor? Du heilst den Geist?“ „Das geht nicht. Geist an sich ist immer heil. Kann unheil nur sein in seelischer und körperlicher Form.“ „Und dann?“ „Braucht der Körper, was er ursprünglich ist: Licht, und die Seele auch, was sie ursprünglich ist: Liebe.“ „Das klingt ja sehr einfach.“ „Wie alles in Kurzfassung. Doch einfach ist daran nur meine Arbeit: mir bewusst zu sein, dass ich einfach nur Kanal von Licht und Liebe bin.“ „Und mehr nicht – ich glaube, ich verstehe. Das ist nicht einfach; sogar verdammt schwierig, würde ich sagen. Wenn man nur wüsste, was Geist ist.“ „Man kann ja immerhin schon mal begreifen, was Egoismus ist, oder?“

Nach einer Pause fragte ich: „Was hast du früher so gemacht?“ „Mich an Bäume gekettet. Die dann doch gefällt wurden, um Platz für neues Legoland zu schaffen.“ „Ihr ward zu wenige.“ „Dachten aber, wir seien viele.“ „Hm, ja, traurig, wenn man kämpft und nichts dabei herauskommt.“ „Wirke ich verbittert? Ich hoffe, nicht.“ „Nein, o nein! Mich interessiert dein Fazit.“ „Wir gaben damals nur dem Affen Zucker. Dem System. Wurden süchtig danach, Widerstand zu leisten. Sowas tut man, bis man’s kapiert.“ „Darum kämpft man wohl in seiner Jugend. Bei mir ging es um Tierschutz. Dieselbe Geschichte: ein tapferer kleiner Haufen gegen das System.“ „Und dein Fazit?“ „Ich würde es heute genauso wieder machen. Aber jetzt ist immer jetzt. Und damals, logisch, war noch nicht, äh, jetzt – ich meine, der Kampf hört nie auf, das heisst ist immer jetzt.“ Sie schaute mich fragend an, aber schwieg. Ich blickte verlegen in die Teetasse und kam mir blöde vor, geschwätzig. „Ich auch“, sagte sie, „würde mich, wäre ich jung, auch sofort wieder an Bäume ketten.“

Das war unser längstes Gespräch gewesen. Zum Schluss hatte sie mich gefragt: „Soll ich dich behandeln?“ „Geistig meinst du?“ „Ja. Du legst dich einfach still irgendwo hin. Nur wann, müssen wir verabreden.“ „Warum nicht jetzt? Hier?“ „Gut. Mach’s dir bequem, leg dich aufs Bett.“ „Okay … Muss ich glauben, dass das funktioniert?“ „Nein, musst du nicht.“ „Und die Augen zumachen?“ „Wie du willst.“ „Und wenn ich einschlafe?“ Darauf antwortete sie schon gar nicht mehr.

Wo landete ich wohl? In meinem Denkraum, im Tautoloid. Und was passierte da? Nichts; ich dachte nur: Ist ja mal schön still hier. Und das war’s, der ganze tautoloide Gedankenspiegel um mich herum blieb leer; oder um genau zu sein: war gar nicht mehr da; oder noch genauer: war nur als Vorstellung vorhanden, das heisst nicht so real, dass ich mich anwesend darin fühlte. Weitaus realer war etwas, das ich noch nicht kannte und das mich in Staunen versetzte: das Gefühl Grün. – Das ist – so ist – das also ist Grün!

Dasselbe Gefühl, diese selbe Stille, als ich da so wundersam entspannt – zum letztenmal im Strafraum – an Frau Doktor angelehnt saß –

und was war denn das nun?:

uf einem grüenen achmardi truoc si den wunsch von pardis

Dass Ingrun diese Andeutung in Richtung Gralsgeschichte gemacht hatte und dass an der einzigen Stelle, die ich wörtlich von Wolfram’s Parzifal-Epos noch erinnerte, dieser grüne Stoff vorkommt, der achmardi … Woran ich mich wohl deshalb so deutlich erinnern konnte, weil ich früher immer wieder über die Paradiesgeschichte nachgedacht hatte und schliesslich das in diesem wunsch von pardis las: dass nicht nur der Mensch selbst nach Rückkehr ins Paradies verlangt, sondern dass genauso auch dieser Wunsch von pardis, vom Paradies, vom Himmel ausgeht; dass also in der Grundsatzfrage, wohin die Große Reise gehen soll, das menschliche Wollen gar kein anderes als das göttliche ist. Warum ich das so tröstlich fand? Warum es mich sogar – jetzt, hier, an Frau Doktor angelehnt – unbeschreiblich glücklich machte? Ich weiss es nicht.

Erinnerst du dich?

Nur dass ich dich kenne; nicht, woher. Und dass ich nicht ich bin; nicht aber, wer.

Gut so, das reicht erstmal vollkommen. Vergiss es nicht. Dann von aussen, dicht an meinem Ohr: „Bist du wieder da?“ Ich nickte, löste mich von ihr; bekannte leise: „Meine Güte, das hab ich wohl gebraucht …“ Wir erhoben uns, standen uns gegenüber, und sie sagte: „Vor allem habe ich das gebraucht, für mich. War ‘ne verdammt harte Zeit mit dir.“

Draussen dämmerte es nun und an den Tischen in der Bibliothek gingen nach und nach die Leselampen an. Plötzlich in dieser Grünstille, dachte ich. Dann von Ingrun auf den Gral gebracht. Dann am Ende bei Frau Doktor dieser wunsch von pardis

Wenn auch dieser ganze Zusammenhang nur auf Zufall beruhen soll, bin ich wirklich nicht mehr zu retten.

Endlich glitt mein Blick nicht mehr durch den Text hindurch, sondern folgte jetzt den Zeilen, sodass ich allmählich erfassen konnte, was da stand:

Das Mißfallen an mir selbst und dem, was mich umgibt, hat mich in die Abstraktion hineingetrieben; ich suche mir die Idee eines unendlichen Progresses der Philosophie zu entwickeln, ich suche zu zeigen, dass die unnachlässige Forderung, die an jedes System gemacht werden muss, die Vereinigung des Subjekts und Objekts in einem absoluten – Ich oder wie man es nennen will – zwar ästhetisch, in der intellektualen Anschauung, theoretisch aber nur durch eine unendliche Annäherung möglich ist, wie die Annäherung des Quadrats zum Zirkel, und daß, um ein System des Denkens zu realisieren, eine Unsterblichkeit ebenso notwendig ist, als sie es ist für ein System des Handelns. Ich glaube dadurch beweisen zu können, inwiefern die Skeptiker recht haben, und inwiefern nicht.

Und ich traute meinen Augen kaum, las es nochmal und nochmal, und nochmal: Denn was ich da vor mir hatte – in einem Brief Hölderlins aus dem Jahre 1795 an Schiller –, war doch die denkbar exakteste Beschreibung des Tautoloids!

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Der Autor

Matthias Scheel, geboren 1961 in Ostwestfalen, lebt seit 1999 in Freiburg im Breisgau

Werdegang:

  • Waldorfschüler
  • Kriegsdienstverweigerer
  • Bergsteiger
  • Student
  • Tierschutz-Aktivist
  • Möbelpacker
  • Handlanger beim Film
  • Paketzusteller
  • Schriftsteller
  • Kellner
  • Nachtportier
  • Touristenführer
  • Chauffeur
  • Schüler der Snowlion School
  • Seit 2004 Massage-Therapeut

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